Donnerstag, 05. Juni 2008

Umzug?

Liebe Leser,

ich schreibe zuletzt zwar ziemlich selten, aber es wäre wohl am Platze, euch alle und insbesondere die Abonnenten darauf hinzuweisen, dass ich seit einiger Zeit, wenn überhaupt, dann aber auf chronologs.de meine kaum verwertbaren Gedanken kundgebe:

http://www.chronologs.de/yoavsapir

Was mit dieser Website noch werden soll, bleibt vorerst dahingestellt, bis der Götter Wille sich bekundet.

Liebe Grüße
Yoav

Dienstag, 06. Mai 2008

So ganz reif...

...ist die liberale Demokratie in der Bundesrepublik also noch nicht: Wenn eine Hetzkampagne zum Amtsverzicht führt, ist es ein deutliches Zeichen dafür, dass selbst Träger der politischen Kultur von der Öffentlichkeit nichts Besseres erwarten. Und wenn diese resignieren, was sollten sich normale Bürger denken?

Freitag, 18. April 2008

Frohes Freiheitsfest

Oder, wie es eine Jerusalemer Freundin von mir aus dem charedischen Stadtteil Har-Nof kürzlich formuliert hat:

In jedem Geschlecht und Zeitalter ist jeder verpflichtet, sich vorzustellen, als ob es den Auszug aus Ägypten gegeben hätte.

Der Einzug aus Ägypten: Eine Nordreichtradition, Teil des dortigen Mosekultes (nicht zu verwechseln mit dem jahwistischen Staatskult des Südreiches).

Ansonsten auch a git Schabbes
Euer Yoav

Dienstag, 01. April 2008

Interreligiöser Dialog?

In der letzten Ausgabe der Jüdischen Allgemeinen fragt Micha Brumlik, ob "der jüdisch-katholische Dialog noch möglich" sei. Doch abgesehen von der ganzen Diskussion über die Ostermesse: Ist ein jüdisch-katholischer Dialog überhaupt nötig?

Wo ist die Bescheidenheit, die sich hierbei gebührt? Wer wäre schon so kühn, um sich nicht im eigenen Zuhause, sondern im Umgang mit den Mitmenschen eine religiöse Identität anzuziehen, obwohl man von dem, auf den man sich dabei berufen will, nichts weiß, weil keiner davon etwas wissen kann?

Wer darf ihn nennen?
Und wer bekennen:
"Ich glaub ihn!"?
Wer empfinden
Und sich unterwinden
Zu sagen: "Ich glaub ihn nicht!"?

Faust zu Margarete, Faust I 3432-3437

Wenn es um ihn (oder sie, oder es...) geht, hört das Theater besser auf. Denn die Rolle, die man spielt, ob als Jude, Christ oder was anderes, ergibt einfach keinen Sinn mehr. Vor ihm sind wir alle ja nur noch Menschen, ob dumme oder kluge, jedenfalls solche, die sich ihrer erkenntnistheoretischen Grenzen bewusst sein sollen.

Doch noch schwerer als ihn zu vertreten
der meistens schweigt
und wohl nicht weiß
sich dagegen gut zu wehren:

Wer wäre schon so kühn, so frech oder aber so naiv, um sich als Vertreter einer ganzen Glaubensgemeinschaft auszugeben? Es kann ja selbst der Papst höchstens für den Vatikan sprechen und zwar in seiner Funktion als Staatsoberhaupt, auf keinen Fall kann er aber davon Zeugnis ablegen, was Abermillionen Katholiken, denen er noch nie begegnet ist, denken und wollen. Geschweige denn auf jüdischer Seite, wo es nicht einmal solch eine Institution gibt wie die Weltkirche. Also kann bei allem guten Willen kein interreligiöser, sondern bestenfalls nur zwischenmenschlicher Dialog stattfinden.

Und ist es nicht tatsächlich an der Zeit, dass wir einander einfach so begegnen, wie wir sind und nur sein können, nämlich als Menschen?

Hast du Ideen, oder haben Ideen dich?

Früchte des Zorns, Brennen

Liebe Menschen auf beiden, allen "Seiten": Lasst uns bitte mit diesem Theater aufhören. Es bringt uns einfach nicht weiter.

Sonntag, 30. März 2008

Pessach-Rätsel: Wer weiß?

Liebe Leser,

dank sonnigem Frühlingswetter in Pessachstimmung gekommen, habe ich mich heute an eine Lern-Session erinnert, die ich vor etlichen Jahren mit meinem damaligem Chavruse am akademischen Beit-Midrasch der Hebräischen Universität in Jerusalem gemacht habe und bei der es um die verschiedenen Feste ging, die man heute schlichtweg unter "Pessach" subsumiert. Also, ohne großes Aufheben - ich hob a Kasche far Eich:

Wann findet das eigentliche "Pessach" statt?

Dazu drei Hinweise:

1. Es findet nicht dann statt, wenn alle gut gewaschen und schön angezogen am Tisch beisammen sitzen und die Haggadah vorlesen.

2. Nicht zufälligerweise habe ich hier vom sächlichen Genus Gebrauch gemacht, das im Hebräischen zwar nicht existiert, im Deutschen aber das einzig richtige ist, wenn man vom "Pessach" spricht.

3. Anzugeben sind ein hebräisches Datum und eine Tageszeit, am besten auch die einschälgige Bibelstelle.

Wer will, kann auch angeben, welch biblisches Fest doch an dem Tag und zu der Tageszeit stattfindet, wo im rabbinischen Judentum die Haggadah gelesen wird.

Tja, für manch einen ist das bestimmt eine "Un-Kasche", für andere dürfte es vielleicht etwas schwieriger sein... Unter den richtig Beantwortenden wird jedenfalls ein Schlisch Gan-Eden, d.h. ein Drittel vom Leben im paradiesischen Jenseits verlost (wer das nicht nachzuvollziehen vermag, der bzw. die soll mal in Israel nach seiner Lebensgefährtin bzw. ihrem Lebensgefährten suchen). Zweiter Preis: gloria mundi. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

P.S. Der kommende Seder wird mein 29. sein und dennoch der erste, den ich aufgrund meines Aufenthalts in Heidelberg bzw. der immer höher steigenden Öl- und Flugpreise nicht im Familienkreis verbringen werde... Einladungen, insbesondere ostjüdisch-polnischer Art, würden sehr gerne in Empfang genommen! Besten Dank im Vorhinein :-)

Dienstag, 25. März 2008

Apropos zweihundertjähriges Jubiläum

Damit ihr euch da
Nicht allzu sehr gelangweilt fühlet
Und uns'rer Sittlichkeit zum Trotz
Vom falschen Geist getrieben würdet:



...ins Leben gerufen vom seligen Gustaf Gründgens (Hamburger Inszenierung 1960).

Freitag, 21. März 2008

Die Purim-"Schande"

Selbstbestimmung? Souveränität?

Vielleicht nur Selbsthilfe? Selbstverteidigung?

Wozu, wenn sich ein Jude (mal abgesehen vom zuhälterischen Handel mit einem wehrlosen Mädchen als Mittel zum Zweck) Zugang zum Hofe verschaffen kann? Zwar endet die Geschichte vom Hofjuden Mordechei sehr positiv, aber was für ein Beispiel soll das überhaupt sein?

Der biblische "Jude Mordechai" und die Verarbeitungen des "Jud Süß" sind schließlich die beiden Seiten derselben Medaille, sprich: desselben literatischen Motivs.

Es ist durchaus klar, warum solch eine Geschichte in den religiösen Jahreszyklus eines zur Passivität gezwungenen Judentums aufgenommen wurde. Nun ist es aber gleichgültig, wie das Motiv konstruiert, die Geschichte erzählt wird: Hier gibt es kein guter Grund zum Feiern mehr. Es sei denn, man sehnt sich wieder nach derartigen Existenzverhältnissen. Ich aber ziehe den Rechtsstaat vor.

Im Buch Esther kommt übrigens erstmals die Bezeichnung "Jude" bzw. "jüdisch" in ihrem heute noch üblichen Sinne vor (Mordechai soll ja eigentlich ein Benjaminiter gewesen sein, vgl. ebd. 2:5). Es ist eben der für das Exil kennzeichnende, bald erzwungene, bald selbstgewollte Mangel an Bodenständigkeit, der den "Juden" ermöglicht und aufrechterhält.

Ob das nun Konsequenzen für den den Titel dieses Blogs haben sollte?