Samstag, 24. November 2007

Zersplittertes Volk

Git Woch allerseits,

es ist mir am Schabbes etwas eingefallen, worüber ich eigentlich vor langem schreiben wollte:

Zu den hohen Feiertagen war ich zuhause. Das hat dieses Jahr ziemlich gut geklappt: Nach dem Austauschjahr in Berlin und noch vor der Aufnahme des Zweitstudiums in Heidelberg. Am Versöhnungstage habe ich mit meiner Mame darüber diskutiert, wie sich gerade an diesem Tage so viele, auch "fernere" Juden in der Synagoge sammeln, wie sie dann gewissermaßen kurzfristig zueinander finden. Das ist einerseits sehr schön, führt aber andererseits zu Gedanken über den ansonsten doch sehr zersplitterten Zustand Israels, sowohl im eigenen Staat als auch im Ausland.

Bei dieser Gelegenheit hat mir meine Mame erzählt, dass sie, bevor sie nachts den Schma sagt, ihrem Gebet noch etwas hinzufügt. Wie ihr wohl wisst, handelt es sich beim Schma um das jüdische Glaubensbekenntnis: Höre, Israel: Der Ewige [ist] unser Gott, der Ewige [ist] eins (vgl. 5. Mose 6:4). Ihr Zusatz zum Schma lautet nun folgendermaßen:

Höre, Ewiger: Israel ist dein Volk, Israel ist eins!

Das Schöne an dieser Anspielung, die sowohl als Bitte wie auch als Erinnerung verstanden werden kann, ist ihre Einfachheit und Direktheit. Ich habe es für mich angenommen, wenn auch an einem anderen "Ort". Mir scheint nämlich eine Stelle im Morgen- und Abendgebet dafür besonders geeignet zu sein. Vor dem Schma wird den sog. Liebessegen gesagt, der jeweils anders formuliert ist. Der Abschluss z. B. lautet im Morgengebet: "gesegnet seist du, Ewiger, der sein Volk Israel mit Liebe auserwählt"; und im Abendgebet: "..., der sein Volk Israel liebet". Gleich danach kommt der Schma. Mich dünkt also, dass es besonders gut passt, wenn die besagte Einheitsbitte zwischen den Liebenssegen und den Schma leise einfügt wird.

Und in diesem Sinne wünsche ich euch allen eine angenehme Woche,
Yoav

P.S.
Wenn schon vom Volke die Rede ist: Nächste Woche findet in Jerusalem der neue jüdische Kongress statt. Das diesmalige Thema lautet: "Wer vertritt das jüdische Volk? Die Souveränität des jüdischen Volkes über den Staat im Lande Israels".

P.S. 2
Und wenn wir schon Jerusalem erwähnt haben: Vor kurzem habe ich auf youtube eine kostbare Aufnahme vom Jahre 1970 gefunden (Kontextualisierung: Nach dem Sechs-Tage-Krieg 1967, vor dem Versöhnungstage-Krieg 1973). Es handelt sich um den zweiten jüdischen Liederwettbewerb, bei dem die (ehemalige) Sängerin Ilana Rovina mit dem Lied "Sei von Gott gesegnet" gewonnen hat: "Es segne dich der Herr vom Zion her. Du sollst dein Leben lang das Glück Jerusalems schauen und die Kinder deiner Kinder sehen. Frieden sei über Israel!" (Psalm 128:5-6)



Amen!

2 Kommentar(e):

Yankel Moishe hat gesagt…

> Ihr Zusatz zum Schma
> lautet nun folgendermaßen:

> Höre, Ewiger:
> Israel ist dein Volk,
> Israel ist eins!

Siehe Gemera, Brachot 6a,
eher unten auf dem Daf.

Yoav Sapir hat gesagt…

Danke, Yankel, das kann tatsächlich eine gute "Asmachta" sein.