Dienstag, 19. Dezember 2006

Chabad und die Zukunft der Jüdischen Gemeinde

Gestern hat das Lichterzünden auf dem Pariser Platz stattgefunden. Dabei war ich allerdings nicht, weil ich in der Deutschen Oper die Wiederaufführung von Mozarts "Idomeneo" erlebt habe. Die viel besprochene Szene mit Mohammeds abgetrenntem Kopf fand ich übrigens vollkommen banal; mein Beifall gilt daher lediglich den PR-Leuten der Deutschen Oper, die die Tendenz der deutschen Öffentlichkeit zur Hysterie sehr gut ausgenutzt haben.

Was den Leuchter am Brandenburger Tor anbelangt, so scheint er mir im Grunde genommen vielmehr für Nichtjuden bestimmt zu sein, also ebenfalls eine Art PR-Arbeit. Immerhin bietet sich jetzt die Gelegenheit, eine Bemerkung zum Verhältnis zwischen Chabad und der Jüdischen Gemeinde zu machen - oder soll ich vielleicht sagen: zwischen den Lubawitschern einerseits und den "Juden" andererseits? Auf der Einladung steht nämlich beides nebeneinander, als wären die Lubawitscher keine Juden, sondern, wie es der selige "litwische" Rabbiner Schach formuliert hat, "die dem Judentum ähnlichste Sekte". Der Grund für diese Gleich- und Gegenüberstellung ist wohl klar: Während die amtlichen jüdischen Gemeinden die Einwanderer aus der ehemaligen UdSSR "integrieren" möchten, damit sie in das "alte" deutsche Judentum assimilieren, ist die Chabad-Chassidus hergekommen, um die deutschen Juden - alte und neue zugleich - zu verjiddischkeitlichen, d.h. um eine Alternative bzw. eine "Lösung" zu bieten. Daher will Chabad tunlichst wenig mit dem "Problem", d.h. mit dem Bisherigen zu tun haben. Das ist alles eigentlich verständlich - und lässt sich nicht zuletzt wahrscheinlich auch darauf zurückführen, dass Chabad in ihren Aktivitäten nicht eingeschränkt werden will.

Angesichts dessen ist es schließlich doch erfreulich zu sehen, dass die beiden Rivalen manchmal auch zusammenarbeiten können. Nun ist die Jüdische Gemeinde eigentlich kein großes Problem für Chabad - solange sie nicht stört, kommt es den Lubawitschern wohl zugute, dass sich auch die bisherige Gemeinde um den Zusammenhalt und das sonstwie Alltägliche kümmert, etwa im Sinne der Zentralwohlfahrtstelle. Aber was heißt es für die Einheitsgemeinde? Diese bekommt ihre politische Bedeutung und Wirksamkeit ausgesprochen daraus, dass sie "die Juden" schlechthin vertritt bzw. vertreten soll. Spaltungen unterminieren den Machtanspruch durch Alleinvertretung. Das Gute daran ist jedoch, dass Chabad gerade durch die Schwächung der Einheitsgemeinde erstmals die "freie Marktwirtschaft" eingeführt hat. Somit gibt es in der deutsch-jüdischen Landschaft endlich wieder echte Konkorrenz, d.h. für dieses Land neue Möglichkeiten jüdischen Daseins, die über den bisherigen Konsens hinausgehen.

Die Popularität von Chabad unter den deutschen Juden zeugt m. E. eben vom großen Bedarf nach dermaßen selbstbewusster Erneuerung des jüdischen Lebens in Deutschland. Der Hauptnachteil dieser Entwicklung besteht in dem Verlust der gegenseitigen Toleranz zwischen orthodoxen und liberalen Juden. Letztere haben als solche selbstverständlich keinen Zugang zu den Aktivitäten von Chabad; als gleichberechtigte Gemeinden können sie nämlich nur im Rahmen der alten Gemeinden auftreten - und so kommt es zur komischen Gegenüberstellung von Chabad und der "Jüdischen Gemeinde". Jedoch sollten sich die liberalen Strömungen ebenfalls über die neue Konkurrenz freuen und die Gelegenheit nutzen, um ihre Ware besser zu vermarkten. Ob sie sich überhaupt gut verkaufen lässt, wird sich dann noch zeigen.

Für die alte Struktur der Machtverteilung, d.h. für die Einheitsgemeinde, gibt es hingegen keinen Ausgang: Sie wird mit immer heftiger Konkurrenz rechnen müssen und folglich auch weiterhin immer schwächer werden. So ist es in Wien, wo Chabad in Zusammenarbeit mit der Lauder-Stiftung eine parktisch neue, staatlich nicht anerkannte Gemeinde gegründet hat, während sich die IKG anscheinend gerne "ergänzen" bzw. verdrängen lässt. Aber vielleicht es ist schon Zeit, dieses Stück nationalsozialistisches Erbe langsam verschwinden zu lassen?

Die Einheitsgemeinde hat sicherlich ihre schönen Seiten, z. B. in der Betonung des bloßen Jüdischseins gegenüber der denominationellen Zugehörigkeit; aber letzten Endes ist sie doch nur aus Not entstanden, ja erzwungen, und daher ist es nicht gerade das Schöne des Gemeinsamen, sondern eher der kleinste gemeinsame Nenner, der hier den Vorzug hat und die Einheitsgemeinde ermöglicht. Diese setzt nämlich auch heutzutage eine jüdische Landschaft voraus, in der es zu viel Angst gibt und zu sehr an Selbstbewusstsein fehlt. Wenn es jedoch die Angst ist, die uns zusammenhält, dann machen wir am besten jeweils alleine weiter.

Anstatt der Angst soll es das verstärkte Selbstbewusstsein sein, das uns noch den Mut gibt, um nicht nur den eigenen Weg zu gehen, sondern auch um manchmal - aus freiem Willen allein - mit den Konkurrenten zusammenzuarbeiten.

34 Kommentar(e):

Anonym hat gesagt…

"Letztere (die liberalen Juden) haben als solche selbstverständlich keinen Zugang zu den Aktivitäten von Chabad"

Das - und einiges Anderen in Deinem Beitrag, auf das ich aus Zeitmangel nicht eingehen kann - ist schlichtweg Unsinn.
Liberale Juden sind in den Chabadgemeinden genauso als Beter willkommen wie andere Juden auch. Es ist, meines Wissens nach, noch nicht vorgekommen, daß liberale Juden an Veranstaltungen bzw. Aktivitäten von Chabad nicht teilnehmen "durften", oder, wie Du schreibst "keinen Zugang hätten". Im Gegenteil - in Berlin werden die Rabbinatsstudenten (vorausgesetzt sie sind Juden nach (orthodoxer) Halacha (ein Problem, welches in jeder orthodoxen Synagoge Thema ist) zur Tora aufgerufen, in ganz Deutschland werden Juden - auch liberale Juden (s.o.) zur Tora aufgerufen und frequentieren die Schiurim und Veranstaltungen von Chabad. Die Israelis, die zum israelischen Stammtisch kommen, den Chabad Berlin ab und zu ausrichtet, dürften in der Mehrheit säkular sein oder sich in den liberalen Synagogen als Beter wiederfinden.
Du beschreibst die Situation so, als ob am Eingang jemand sitzt, der prüft, wer welcher Strömung angehört - die einen dann ins Töpfchen, die anderen ins Kröpfchen. Das ist, gelinde gesagt, eine recht alberne Vorstellung.
Die wirklichen Probleme sitzen ganz woanders, aber um die zu erkennen, müsstest Du Dich von der Oberfläche wegbewegen und tiefliegendere Studien anstellen.

Anonym hat gesagt…

PS
Die Rabbinatsstudenten des Abraham-Geiger-Seminars, an welchem Reformrabbiner ausgebildet werden, meinte ich.

Yoav A. Sapir hat gesagt…

An "Anonym":

Mit deiner Ausdrucksweise hast du eigentlich keine Antwort verdient, aber immerhin solltest du den Beitrag noch amol lesen. Wie gesagt, liberale Juden sind nicht pauschal, sondern als solche, d.h. eben als liberale ausgeschlossen. Als Juden - sofern sie orthodox jüdisch sind, wie du richtig bemerkt hast - sind sie natürlich willkommen, zumal sie dadurch vielleich noch zur Orthodoxie kommen könnten, was insbesondere für werdende Rabbiner gelten darf.

Wichtig wäre für dich auch der nächste Satz: "Als gleichberechtigte Gemeinden können sie nämlich nur im Rahmen der alten Gemeinden [gemeint ist die Einheitsgemeinde] auftreten"; denn sobald es zur Inkongruenz kommt - sei es durch liberal Konvertierte oder liberal ordinierte Rabbinerinnen, sei es etwa auch die schlichte Nichttrennung zwischen Männern und Frauen beim Gottesdienst - müssen liberale Juden, wenn auch nur vorläuftig, auf ihre liberal-religiöse Identität verzichten, um auch weiterhin nur bloß als Juden teilnehmen zu dürfen.

Du hast jedoch kein einziges Beispiel vorgebracht, in dem der Liberalismus als solchen von Chabad angenommen wird. Die Gleichsetzung mit dem Säkularismus ist daher vollkommen am Platze - oder warst du schon auf einer Chabad-Party, wo man halachisch Nichtkoscheres hätte mitbringen und verzehren dürfen?

Anonym hat gesagt…

Nein, sie sind als JUDEN willkommen - nicht als "orthodoxe". Vorausgesetzt ist natürlich, daß sie - da Chabad bekanntermaßen orthodox ist - sie für einen Aufruf zur Tora (orthodox) halachische Juden sein müssen. Sie können jedoch als Juden, die eventuell nicht "halachisch" genug sind, zu jeder Veranstaltung kommen. Ich habe das selbst erlebt - ein Freund von mir, der liberal konvertiert ist, ist ein willkommener Gast - nur wird er nicht zur Tora aufgerufen.
Insofern ist Deine Aussage, "liberale Juden dürfen an Chabad-Aktivitäten nicht teilnehmen" einfach schlichtweg falsch.

Ja, liberale Juden müssen in einem orthodoxen Kontext auf ihre liberale Identität ein Stück weit verzichten - doch das gilt umgekehrt genauso. Will also die jeweils andere Gruppe einmal besucht werden, sind Kompromisse zu machen, sonst geht es nicht.
Und warum sollte Chabad Liberalismus annehmen? Nehmen Liberale den Orthdoxes an? Wohl kaum, und das ist ja auch in Ordnung so. Ich wüsste nicht, worin der Sinn läge, ausgerechnet auf eine Chabad-Party "halachisch Nichtkoscheres" mitbringen zu müssen. So zwanghaft sollte man nicht sein ;-). Chabadparties sind kulinarisch in der Regel so gut ausgestattet, daß man getrost JEDES Essen zu Hause lassen kann...
Nein, im Ernst - das sind doch keine Argumente.

Anonym hat gesagt…

"Wichtig wäre für dich auch der nächste Satz: "Als gleichberechtigte Gemeinden können sie nämlich nur im Rahmen der alten Gemeinden [gemeint ist die Einheitsgemeinde] auftreten"; denn sobald es zur Inkongruenz kommt - sei es durch liberal Konvertierte oder liberal ordinierte Rabbinerinnen, sei es etwa auch die schlichte Nichttrennung zwischen Männern und Frauen beim Gottesdienst - müssen liberale Juden, wenn auch nur vorläuftig, auf ihre liberal-religiöse Identität verzichten, um auch weiterhin nur bloß als Juden teilnehmen zu dürfen."

Das hier ist schlichtweg kein besonders "Chabad-Problem".
Sondern ein Problem, welches seit Beginn der Reformbewegung Streitpunkt zwischen Reform und Orthodoxie ist.
Ich denke, in Deutschland hat sich in den letzten Jahren viel zum Positiven hin bewegt. Es gibt inzwischen viel mehr Wahlmöglichkeiten. Wo früher die - kaum observante - "Einheitsorthodoxie" herrschte, kann heute zwischen verschiedenen Beterschaften gewählt werden, und das sogar schon in kleineren Städten. Menschen, die sich im liberalen Judentum heimischer fühlen, haben heute eine echte Chance, einen Platz zu finden - und ebenso Leute, die an einer tatsächlichen Orthodoxie interessiert sind.
Das ist doch eine sehr positive Tendenz.

Chajm hat gesagt…

Mein Kommentar war etwas umfangreicher, also habe ich gleich ein eigenes Posting daraus gemacht ;-)
http://www.sprachkasse.de/blog/2006/12/19/einheitsgemeinde-aufs-korn-genommen/

Yoav A. Sapir hat gesagt…

Liebe(r) "Anonym",

auch Nichtjuden sind - vielleicht nicht genauso herlich, aber immerhin - willkommen. Ob ein liberal Konvertierter als Jude oder als Nichtjude empfangen wird, zeigt sich erst, wenn die Bestimmung des Judenbegriffs entscheidend wird, etwa beim Aufruf, aber nicht nur. Versuch mal mit deinem Freund bei einem Orthodoxen, ob Lubawitscher oder nicht, zu essen, und du wirst sehen, dass er zum Simmun nicht mitgezählt wird. Schließlich rühren deine Einwände von deiner Unterscheidung zwischen orthodoxen und sonstigen Juden her, die aber kaum auf die Sichtweise Orthodoxer zutrifft, bei denen "Juden" eben nur orthodoxe Juden sind.

Ohnehin freue ich mich darüber, dass du mein ad-absurdum-Argument verstanden hast, das nach allem ja im Irrealis geschrieben steht...

Von einem "Chabad-Problem" habe ich übrigens - meines Wissens zumindest - gar nicht gesprochen. Hinweisen will ich nur darauf, dass die Chabad-Veranstaltungen, im Gegensatz zu denen der Einheitsgemeinde, nicht für Angehörige aller Strömungen offen sind; will sagen: Nichtorthodoxe bzw. halachisch Nichtjuden können als solche, d.h. ohne ggf. vorläufig auf ihre jeweils eigene jüdische Identität verzichten zu müssen, nicht daran teilnehmen, wobei die Popularität der Chabad-Veranstaltungen die früheren Initiativen der Einheitsgemeinde(n) sehr erschweren, ja fast verdrängen.

Anonym hat gesagt…

Es ist richtig, dass Orthodexe liberale Wahljuden nicht als Juden anerkennen. Jeder liberale Wahljude wird von seinem Rabbiner vor dem Gijur darauf hingewiesen, wenn ich richtig informiert bin (was ich sehr fair finde)... Die Identitaet eines liberalen Juden sollte sich nicht daraus speisen, ob er von einem orthodoxen Juden anerkannt wird oder nicht. Wir beruehren nun in dieser Diskussion ohnehin ein Thema, welches zu den schwierigsten und kontroversesten im Judentum gehoert, und ich weiß nicht, ob ich die Kapazität bzw. das Wissen habe, es überhaupt angemessen diskutieren zu können. Fakt ist auf jeden Fall, daß Orthodoxe und Liberale verschiedene "Kniffe" haben, sich gegenseitig auszuschliessen - die einen sind keine "richtigen" Juden mehr, und die anderen praktizieren wie "im Mittelalter" ...
Ich habe Dein Eingangsargument schon verstanden, und ich sage noch einmal: es ist nicht richtig, zu behaupten, daß liberale Juden nicht zu Chabad-Veranstaltungen gehen können, weil sie dort ihre Identität nicht voll ausleben können. Ich weiß nicht, wo die liberale Identität beim Anzünden der Chanukkia vor dem Brandenburger Tor nun beschnitten wird... sogar Männlein und Weiblein können zur Wummer-Musik tanzen, kein aufgebrachter Chabadnik wird angerast kommen, um sie zu trennen ;-).
Was das Liturgische anbelangt, so gebe ich Dir recht - aber solange es Ausweichmöglichkeiten gibt bzw. für Liberale eigentlich "Besseres" - liberale Synagogen - gibt es doch keinen Grund zur Trauer.
Was meinst Du mit den "früheren Initiativen" der Einheitsgemeinden?
Ich kann mich an keine Initiativen erinnern... eigentlich kann ich mich nur daran erinnern, daß, immer wenn ein Chabadnik etwas machte, DANN kam der Ortsrabbiner auch endlich in die Socken (das ist jetzt nicht nett, aber so war's).

Yoav A. Sapir hat gesagt…

"[D]aß liberale Juden nicht zu Chabad-Veranstaltungen gehen können", habe ich aber nirgendwo behauptet.

Als ich in der Nacht den Beitrag geschrieben habe, wollte ich noch darauf hinweisen, dass ich jetzt von Berlin rede, und die Leser darum bitten, auch zur Lage anderwärts Stellung zu nehmen; das habe ich schließlich zwar vergessen, aber inzwischen hat sich Chajm schon darauf bezogen.

Was die "früheren Initiativen" angeht, so hat noch die Berliner Gemeinde, soweit ich weiß, bspw. sozusagen überkonfessionelle Channuka-Feiern veranstaltet, bis Chabad so dominant geworden ist.

Anonym hat gesagt…

"Letztere (die liberalen Juden) haben als solche selbstverständlich keinen Zugang zu den Aktivitäten von Chabad"

hattest Du geschrieben.
Hier habe ich Dich wohl mißverstanden. Ich verstand das so, daß liberale Juden nicht auf Chabad-Veranstaltungen erwünscht seien, es ihnen quasi "verboten" sei, dorthin zu gehen.
Nun sehe ich, daß Du das aus einem ideologischen, innerliberalen Standpunkt heraus gemeint hast. Sorry.

Von "überkonfessionellen" Feiern innerhalb der Einheitsgemeinde habe ich noch nie gehört. Was meinst Du damit? Daß Liberale und Orthodoxe zusammen feiern?
Es gab immer den Chanukkaball, der war sozusagen säkular dominiert - keiner kam in "ideologische" Konflikte, zumal es in Berlin lange kaum "echte" (ideologische) Liberale und kaum praktizierende Orthodoxe gab.

Ich denke, das Problem mit Chabad liegt woanders: nämlich daß Chabad eventuell ein sehr stereotypes Bild vom orthodoxen Judentum vermittelt. Dieses Bild kann natürlich auch nur da vermittelt werden, wo wenig Kenntnis vom Judentum und seinen impliziten Verschiedenheiten vorhanden ist.

Miriam Woelke hat gesagt…

B"H

Hi Yoav,

ich habe in Deinem Beitrag nichts finden koennen, dass liberale Juden nicht bei Chabad an Shiurim etc. teilnehmen koennen.

In Jerusalem habe ich einige Jahre bei Chabad gelernt, ohne selbst Chabadnikkit zu sein.:-)
Ich schreibe jetzt einfach einmal meine Erfahrung mit Chabad:

Grundsaetzlich kann jeder Jude, egal ob orthod. oder liberal bei Chabad teilnehmen. Nur halachischer Jude muss er sein. Nichtjuden werden nicht gerne gesehen.

Ich verstehe das Problem, welches dt. Gemeinde mit Chabad haben, nicht. In den USA sind sie der Marktfuehrer im Outreach.
Zu meiner dt. Zeit war ich in einer kleinen orthod. Gemeinde, in der der Rabbiner Litvish war. Gelernt haben die Gemeindemitglieder dort fast Null, weil es keinerlei relig. Angebote gab.
Chabad dagegen hat ueberall ein vielfaeltiges Angebot. Ich kenne Yehudah Teichtal in Berlin, wo es sogar einen Tanya - Shiur gibt. Sowas zieht natuerlich Leute an. Klar, gibt es einen Nachholbedarf, vor allem in der Chassidut, die auch gut bei Leuten ankommt.
Und Chabad kann alles andere als meschichistisch sein.

In Jerusalem fragte ich einmal einen befreundeten Chabad - Rabbi, warum in Deutschland diese Probleme herrschen. Er meinte, und das nicht zu unrecht, dass dt. Gemeinde Chabad als Konkurrenz ansehen wuerden.

Witzig finde ich Deine Bemerkung ueber Rav Schach.:-) Der und der Lubawitscher Rebbe waren ja nun wirklich keine Freunde.:-)

Laila Tov,
Miriam

Yoav A. Sapir hat gesagt…

Hallo Miriam,

ich kann alles unterschreiben, was du geschrieben hast, nur habe ich nicht ganz gesagt, "dass liberale Juden nicht bei Chabad an Shiurim etc. teilnehmen koennen" - sondern eher, dass sie nicht als solche daran teilnehmen, sich also etwa an der Diskussion im oder nach dem Schiur nicht durch scheinbar harmloses Bekenntnis zum Liberalismus beteiligen und dennoch als "gewöhnliche", d.h. orthodoxe beachtet werden können - geschweige denn wenn es um eine religiös oder sonstwie aktivere Veranstalungsart geht als ein Schiur.

Übrigens habe ich mich über den Verweis auf den Wikipedia-Beitrag zur Karliner Chassidus gefreut. Mit dem jetzigen Rosenfeld bin ich nämlich auf verschiedene Weise verwandt; wenn ich mich nicht irre, war mein Ururgroßvater sein Urgroßvater, und heute ist seine Nichte mit dem Sohn des Vetters meiner Mame verheiratet (manche der ersten Rebbes, etwa der große Rebbe Aharon, Verfasser von "Ja Echsof", sind daher auch meine Vorväter). Du kannst mal in Jerusalem nach dem Karliner Stamm Haltowski fragen.

Herzlich
Yoav

Yoav A. Sapir hat gesagt…

P.S. an Miriam: Gemeint ist natürlich der Verweis auf deiner Seite.

Anonym hat gesagt…

"Chabad dagegen hat ueberall ein vielfaeltiges Angebot. Ich kenne Yehudah Teichtal in Berlin, wo es sogar einen Tanya - Shiur gibt. Sowas zieht natuerlich Leute an. Klar, gibt es einen Nachholbedarf, vor allem in der Chassidut, die auch gut bei Leuten ankommt.
Und Chabad kann alles andere als meschichistisch sein."

Das alles kann ich bestätigen. Rav Teichtal gibt nicht nur Kurse in Chassidut bzw. in Tanya (was für Chabad nichts Außergewöhnliches sondern etwas Obligates ist), sondern auch einen fortlaufenden Schiur zum Schulchan Aruch, und zudem gibt es eine Gruppe, die Talmud lernt.
Ergänzend muß noch auf die Lauder Yeshiva hingewiesen werden, die ebenfalls niveauvolle Schiurim anbietet.
Beide Gruppen kommen "von außen" - ohne sie sähe die "Bildungslandschaft" hier immer noch sehr arm aus.

Anonym hat gesagt…

"sondern eher, dass sie nicht als solche daran teilnehmen, sich also etwa an der Diskussion im oder nach dem Schiur nicht durch scheinbar harmloses Bekenntnis zum Liberalismus beteiligen und dennoch als "gewöhnliche", d.h. orthodoxe beachtet werden können - geschweige denn wenn es um eine religiös oder sonstwie aktivere Veranstalungsart geht als ein Schiur."

Quod errat demonstrandum... hast Du's ausprobiert? Natürlich wirst Du auf Widerstand stoßen, aber Du kannst sicher gut messen, wie fest Deine eigene Position ist ;-) (ich vermute inzwischen, Du fühlst Dich heimischer bei den Liberalen).
Ich weiß nicht, ob es darum geht, "angesehen zu werden" oder ob es darum geht, eine divergente Meinung vertreten zu können. Was nicht immer leicht ist, und Wissen voraussetzt.

Yoav A. Sapir hat gesagt…

Lieber Anonymer,

eigentlich fühle ich mich weit heimischer bei Orthodoxen als bei sonstigen und bei Chassidim als bei Litwaks - mal grob formuliert, denn meine Lieblingsschul in Jerusalem lässt sich nicht so leicht in Worte fassen.

Und wenn schon, dann erlaube ich mir auch, den deutsch-jüdischen Brauch, Hering (!!!) zum ersten Schabbesmahl zu essen, auf Strengste zu verurteilen - von der Suppe am Anfang, statt am Ende der Mahlzeiten ganz zu schweigen...

Es lebe der süße Gefillte-Fisch!
Yoav

Anonym hat gesagt…

Lieber Yoav,

mit gefilltem Fisch kannst Du mich jagen, bei uns gab es ihn in Aspikumgebung und das hat ihn mir für immer verleidet.

In welche Schul gehst Du denn in Jerusalem?

Yoav A. Sapir hat gesagt…

Die heißt Kol Rina und befindet sich in einem ärmlichen Luftschutzbunker in Nachlaot, dessen Äußere sein inneres Licht nicht verrät. Kennst du Jerusalem? Und vielleicht wäre es schon Zeit, dass du auf deine Anonymität verzichtest...

Miriam Woelke hat gesagt…

B"H

Nein, Hilfe, Kol Rina in Nachlaot.:-) Die Carlebach - American - Synagogue.:-) Ich habe dort bekannte in deren Community. Sie sind stets die letzten beim Shabbat - Essen, denn Carlebach braucht entsprechend lange.:-)

Das ist doch mal etwas, wenn Chabad auch Shulchan Aruch unterrichtet. Finde ich sehr gut.

Yoav, der Karliner Rebbe, wohnhaft in Givat Zeev, gibt alle paar Wochen einen Tisch in Mea Shearim.:-)

Yoav A. Sapir hat gesagt…

Guten Morgen, Miriam,

naja, es gibt Karlebach und es gibt Kol-Rina-Karlebach... Die meisten nennen sich nur Karlebach, sind aber etwas zu bürgerlich um es richtig zu machen - die Mehadrin sagen, mindestens eine Stunde für Meirew allein ;-)

Das ist übrigens nicht der Karliner von Givat Zeev, sondern derjenige der so genannten alten Karliner.

Miriam Woelke hat gesagt…

B"H

Boker Tov,

oh, den Unterschied zwischen den Karlinern wusste ich nicht. Habe kaum etwas mit denen zu tun.

Das mit Kol Rina stimmt. Die meisten gehen dorthin, weil Englisch die "Amtsprache" ist. Sind halt viele engl. sprachige Olim in Nachlaot.

Yom Tov,
Miriam

Anonym hat gesagt…

Ach, ich fühle mich in meiner Anonymität ganz wohl im Moment.

Jerusalem kenne ich ganz gut, von Kol Rina habe ich schon gehört, war aber selbst noch nicht dort. Ich hatte eher an Shira Chadasha oder den Leader Minjan gedacht.
Beide sind auch überwiegend englischsprachig.

Miriam, ja, der Schulchan-Aruch-Schiur ist gut, man kann wirklich viel lernen. Das ist ja die Hauptsache.

Anonym hat gesagt…

PS Sorry, Lieder Minjan muß das natürlich heißen.

Miriam Woelke hat gesagt…

@anonymous

Es ist immer gut, unterschiedliche Themen zu lernen und Tanya + Shulchan Aruch ist eine gute Kombination. Etwas zum Schweben bzw. auch Philosophie und Halachot.:-)

Shira Chadash ist glaube ich reform. Es gibt auch ein Shir Chadash in Katamon.

Anonym hat gesagt…

Nein, die Kehillat Shira Chadasha (http://www.geocities.com/shira_hadasha/), die ich meine, ist nicht reform, sie ist modern orthodox oder "open orthodox".

Anonym hat gesagt…

PS Und Shir Chadash gibt es auch, die sind auch in Emek Refaim (Hauptstraße), aber die sind ganz normal modern-orthodox, jung, amerikanisch und haben ebenfalls einen Hang zu Carlebach.

Miriam Woelke hat gesagt…

B"H

Shira Chadash kenne ich nicht, dachte nur, ich haette mal was darueber gehoert. Aber ich lese nun bei Dir, dass ich mich geirrt habe.

Shir Chadash in Emek Refaim kenne ich nur von Freunden, vom Hoerensagen. Ist wohl auch mehr ein Single-club, fuer Leute, die noch ihren Shidduch suchen.:-)

Ich habe mit diesen engl. sprachigen Synagogen wenig am Hut. An Rosh HaShana und Yom Kippur gehe ich zu den Litvishern in der Altstadt (Amerikaner), aber ansonsten bin ich, der Gewohnheit nach, an der Kotel bei Rabbi Machlis oder im Zemach Zedek (Cardo) bei Chabad.:-)

Mit Freunden plane ich immer, mal nach Mea Shearim in die grosse Breslov Synagoge zu gehen, aber irgendwie kommen wir nie zu etwas.

Miriam

Der bei Chabad aufgerufene hat gesagt…

So,

schön dass ich zum Thema werde. Ich kenne Chabad seit 1997 in Berlin, lange vor der Rabbinerausbildung und es wäre komisch wenn man mir plätzlich kein Aufruf mehr gibt.

zu Miriam:

warst du schon mal in Yakar? Amerikanisch-Israelisch mit Carlebach Ansätzen, sehr zu empfehlen.

Bin im Frühjahr in Israel, schlisse mich gerne dem Besuch bei Breslov an.

Miriam Woelke hat gesagt…

B"H

Shavua Tov,

ich wuerde gerne einmal zu Yakar oder Pardes gehen, komme aber nie dazu. Das muss ich jetzt beschaemend zugeben.:-)
Vor allem zu Pardes mit der Rabbanit Aviva Gottlieb Zornberg (litvish) wuerde ich gerne gehen. Sie hat einen Phd in Literatur und gibt mit eine der besten Parasha - Vorlesungen.
Zu Breslov kannst Du gerne mitkommen.:-)

Miriam

Anonym hat gesagt…

Yakar ist nicht amerikanisch-israelisch - wenn schon, dann englisch-israelisch ;-). Rav Rosen stammt ursprünglich aus GB, und folgt der litvischen Tradition seines Vaters. Unbestritten einer der interessantesten Minjanim in Katamon und die Gesänge zu Schabbesausgang sind sehr zu empfehlen.

Aviva Zornberg finde ich auch großartig. Zum Glück gibt es auch Bücher von ihr - wer es also nicht bis Jerusalem schafft, kann trotzdem den einen oder anderen Gedanken von ihr am Schabbes nachlesen!

Chodesh tov und Shavua tov -

Der bei Chabad aufgerufene hat gesagt... hat gesagt…

@ Miriam

Pardes ist sehr angenhem zu lernen, ich habe dort ein Jahr verbracht und habe viel neues gelernt, der einzige Nachteil sind die vielen Amis, aber es ist nichts anormales für J-lem. Die Vorlesungen von Aviva sind immer Mittwochs um 20.00 und kosten 20 NIS eintritt.
Überhaupt ist Pardes sehr zu empfehlen!!!!! und wegen Breslov melde ich mich!

@anonym
der Rav mag english sein, die Beter sind aber überwiegend Amis, wie überall in J-lem.

Anonym hat gesagt…

@ der bei Chabad Aufgerufene

Ich habe bei Yakar immer viele Israelis getroffen. Kommt wohl darauf an, auf wen man fokkussiert ;-).

anneka hat gesagt…

Hej hej aus Südschweden
Chabad in Malmö ist ein sehr rühriger Rabbi, dieses Jahr wie erwähnt auf unserm Blog eine Chanukkiah vor dem Rathaus und er macht sich unersetzlich, den die modern orthodoxe Gemeinde hat aus knausrigkeits Gründen seit jahren keinen eigenen Rabbiner mehr und nimmt seine Hilfe dankend an. Und wir waren selber zum ersten mal bei Chabad vorigen Purim und es war alles da was eine Kinderfamilie sich wünschen konnte und mehr. Und das uns als Progressive.
Herzliche Grüsse
Anneka
P.S. Yoav wir haben Dich zu uns geentert, leider weiss ich nicht wie man den blogring installiert.

Miriam Woelke hat gesagt…

B"H

Danke fuer alle Eure Tips. Ich habe nur ein chronisches Problem und das heisst Zeit. Ich lerne Talmud an der Uni und arbeite nebenbei und das ist so ziemlich mein Leben....Fuer andere Programme habe ich leider keine Zeit.
Zu Aviva Zornberg will ich wirklich gehen. Sie unterrichtet auch im Israel Center, doch immer zu Zeiten, wo ich absolut nicht kann.
So bleibt mir nebenbei eben nur meine private "Beit Midrash" daheim.:-)
Uebrigens haben Aviva und ich eines gemeinsam: Wir beide zitieren haeufig den Ishbitzer Rebben.:-) Shlomo Carlebach tat dies auch.....

Miriam