Samstag, 12. Jänner 2008

Ein kleines Stück bubersche Poesie für die neue Woche

Eine Stelle, die mir besonders gut gefallen hat:

Geordnete Welt ist nicht die Weltordnung. Es gibt Augenblicke des verschwiegnen Grundes, in denen Weltordnung geschaut wird, als Gegenwart. Da wird im Flug der Ton vernommen, dessen undeutbares Notenbild die geordnete Welt ist. Diese Augenblicke sind unsterblich, diese sind die vergänglichsten: kein Inhalt kann aus ihnen bewahrt werden [?], aber ihre Kraft geht in die Schöpfung und in die Erkenntnis des Menschen ein, Strahlen ihrer Kraft dringen in die geordnete Welt und schmelzen sie wieder und wieder auf. So die Geschichte des Einzelnen, so die des Geschlechts.

Aus: Martin Buber, Ich und Du (Heidelberg: Lambert Schneider, 1958 [1923]), S. 30-31

Zum obigen Fragezeichen: Wenn ich recht verstehe, was er mit diesen Augenblicken meint, dann bin ich mir nicht so sicher, dass diese Aussage sich verallgemeinern lässt. Jedenfalls stellt sich die Frage, ob diese Stelle nicht schon an und für sich den Beweis dafür liefert, dass aus diesen Augenblicken mannigfaltigen Inhalt bzw. Einblicke in die Beschaffenheit der Schöpfung doch bewahrt werden können (wie Buber es hier ja selbst tut).

Git Woch
Yoav

P.S.
Eine Zumutung? In The Economist weiß man offensichtlich nicht zwischen als Polen und als Juden Verfolgten zu unterscheiden (beachtet das dritte bzw. letzte Bild).

1 Kommentar(e):

Botschafter hat gesagt…

Diese magischen Momente, in denen einem besonders viel aufgeht vom Wesen der Welt an sich, sind wohl selten im Leben und in der Jugend noch am häufigsten, wenn noch etwas Blut zwischen all dem Kalk pulsiert. Im Rausch der Begeisterung und gleichzeitigen Bemühung für etwas bei gleichzeitiger Offenheit und maximaler Reflexion flutet einem die Wahrheit der Dinge wie ein Film, der in jedem Moment neue, noch nie dagewesene Wahrheit offenbart, durch den Kopf. Diese Momente, in denen man in irgendwas oder irgendwen irgendwie verliebt ist und die Liebe erwidert wird, können vielleicht nie ganz gehalten und in Erinnerung behalten werden, weil immer wieder Neues kommt und Offenheit dafür erfordert, aber sie haben doch einen lebenslangen Nachhall und ändern den Kurs des Schicksals unumkehrbar.

Gruß von Christoph.Hans.Messner@gmx.de