Samstag, 5. Jänner 2008

Eine kleine Frage zur Judenmission

Es kommt mir manchmal so vor, als gäbe es nicht wenige, die der Judenmission zu wehren suchen. Na gut, aber da frage ich mich: Was ist eigentlich die "Judenmission"?

Zunächst muss man in diesem Zusammenhang "Juden" definieren: Damit sind wohl Menschen gemeint, die nach einem der üblichen Auffassungen jüdischen Rechts als "Juden" gelten können.

Nun ist die "Mission" zu hinterfragen. Im Duden-Universalwörterbuch steht dazu (unter Punkt 4): "Verbreitung einer religiösen Lehre unter Andersgläubigen, bes. der christlichen Lehre unter Heiden". Aber da taucht die Frage auf: Ist das, was etwa Chabad-Lubawitsch tut, nicht ebenfalls "Mission"? Immerhin versuchen sie Menschen zu einer unter unzählig vielen religiösen Lehren zu bekehren.

Aber warum soll man es eigentlich auf eine "religiöse" Lehre beschränken? Man kann seine Mitmenschen doch auch zum Sozialismus, zum demokratischen Parlamentarismus usw. usf. bekehren. Es ist z. B. eine der Aufgaben der Bundeszentrale für politische Bildung, "das demokratische Bewusstsein zu festigen" (aus der Website der bpb): Mission par excellence.

Warum soll man also gegen die eine Mission, nicht aber gegen die andere sein? Liegt es nicht näher, dass der Mensch als solcher meistens in der Lage ist, selbst darüber zu entscheiden, ob und welche der auf dem Markt beworbenen bzw. einfach zur Verfügung stehenden Gedanken- und sonstigen Güter er konsumieren möchte? ...solange das Ganze zwangsfrei vonstatten geht.

Vielleicht meinen aber die Gegner der Judenmission, dass die christlichen Lehren gefährlicher sind als andere. Nur frage ich mich dann: Warum soll man ausschließlich die Menschen, die man jeweils für Juden hält, vor dieser Gefahr schützen? Warum soll man die anderen im Stich lassen dürfen?

Oder geht es darum, dass die für Juden Gehaltenen weniger dazu fähig sein sollten, solch persönliche Entscheidungen selbst zu treffen?

Git Woch
Yoav

P.S.
Diejenigen, die es noch nicht gelesen haben, möchte ich auf eine interessante Diskussion bei Chajm über die Hochschule für Jüdische Studien in Heidelberg hinweisen.

2 Kommentar(e):

Missionar hat gesagt…

Hi Yoav,

ich hab' gar nicht gewußt, daß es so etwas wie eine eigene Judenmission gibt. Ist wahrscheinlich doch 'ne Bildungslücke.
Also ich hab' die christliche Mission eigentlich immer etwas skeptisch beäugt, aber ich kann's auch verstehen, daß wenn einer von einer Sache wirklich tief überzeugt ist und er davon auch Heil erfahren hat, daß er sich dann mitteilen will. Natürlich muß das ohne Zwang geschehen. Letztlich setzt sich doch ohnehin nur dasjenige durch, was jemandem auch einleuchtet, was er nachvollziehen kann, was ihm auch etwas bringt, einen inneren Frieden z.B.. Da muß aber doch jeder zugeben, daß er die Wahrheit über alles nicht gepachtet hat und daß bei jedem Vermittlungsprozeß keiner nur Lehrer oder nur Lernender ist. Alle Religionen, die irgendwelche Schwerpunkte in ihrer Metaphysik jeweils ein wenig anders setzen, befinden sich doch im Gesamtwahrheitsraum der Philosophie und dort herrscht Denkfreiheit, aber auch Bemühen um Wahrheit und Weisheit. Stellen wir uns mal einen Weltphilosophen wie zum Beispiel Karl Jaspers oder Kant oder Platon vor, der über allen Religionen praktisch wie theoretisch von der Wahrheit erzählt, dann wird aber auch der zugeben, daß er immer noch wünscht, daß sein Kommunikationspartner ihm noch was Neues, etwas Korrigierendes, etwas Schöneres erzählen oder zumindest unbewußt mitteilen kann. So ist doch das menschliche Miteinander immer nur teilweise Mission, die etwas von der einen in die andere Richtung schickt, teilweise ist es auch Remission oder auch gar keine Mission, sondern einfach das, was es ist oder das kunterbunte Durcheinander im Nieganzwissen, das wir tagtäglich erleben, immer auf der Suche nach Erfüllung ...

Hab ich das nicht schön gesagt?

Gruß von Christoph.Hans.Messner@gmx.de

Flash hat gesagt…

Ich verstehe nicht ganz das Unverständnis, das du für die heftige Abwehr der Missionierung von Juden durch Christen hast...

Schließlich geht es ja nicht um "irgendeine Missionierung", sondern um die religiöse Belehrung von Juden durch Christen, so, wie es im NT beschrieben ist.

Für säkulare Juden hat das logischerweise keine Bedeutung, aber für gläubige Juden schon, so meine ich. Während die Juden nach wie vor auf das Kommen des "Mesias" warten, leiten die Christen ihren Namen von diesem (als bereits erschienenem Messias) ab!

Ergo steckt in jeder christlichen Missionierung eines Juden der Subtext: "Wir wissen es besser als ihr - ihr habt noch nicht mal gemerkt, daß euer/unser gemeinsamer Messias schon gekommen ist!"

Den Auftrag zur Mission finden Christen im NT, Jesus hat ja nur Juden gepredigt, während seine Jünger erst nach und nach die Mission auch auf Nichtjuden ausgedehnt haben (bis dahin war ihnen nicht klar, daß auch "Heiden" das göttliche Heil zugedacht ist!).

Was für eine Demütigung wäre es für das Judentum, zweitausend Jahre lang den Messias ignoriert zu haben??? Eine weitere Demütigung neben den vielen anderen, die von Christen kamen!

Der Witz an der Sache (aus christlicher Sicht) ist der, daß die Juden den Messias gar nicht erkennen können - weil Gott ihnen das verwehrt (paßt wieder zu deinem Beitrag über göttliche Vorsehung). Sinn der Sache ist jedoch, daß der Glaube nun auch den "Heiden" (Nichtjuden) zu bringen ist, während der Messias und die göttliche Errettung aus jüdischer Sicht nur für das jüdische Volk (Volk Israel) da war.

Und erst, wenn "die Vollzahl aus den Heiden eingegangen ist" wird der Messias auch den Juden "geoffenbart".

Jedoch gibt es durchaus einige hundert "messianische" Juden, die also das NT als Wort Gottes akzeptieren und sozusagen "Judenchristen" sind.

Für die Mehrzahl der Juden dürfte es aber schändlich sein, wenn Christen behaupten, sie hätten neue und weitergehende Offenbarung, gar ein ganzes Buch. Aus christlicher Sicht steht allerdings außer Zweifel, daß das Christentum auf dem Judentum basiert und es letztlich sogar der gleiche(!) Glaube ist, derselbe Gott sowieso.