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Sonntag, 6. Jänner 2008

Vorsehung: Unbedingt positiv?

Wie in wohl fast jeder religiösen oder philosophischen Lehre ist die Frage nach der göttlichen Einmischung in die Weltgeschehnisse auch im jüdischen "Bücherregal" ziemlich oft aufgegriffen worden.

Im Grunde genommen wird zwischen allgemeiner und individueller Vorsehung unterschieden. Allgemeine Vorsehung bedeutet, dass Gott sein Augenmerk auf die Wesensart als solche richte, d.h. nicht auf jedes einzelne Lebewesen innerhalb der Art, z. B.: Gott habe den Löwen als eine Tierart geschaffen und befasst sich seit der Schöpfung nicht mehr damit, was sich in dem Leben jedes einzelnen Löwen abspielt (daher wird die allgemeine Vorsehung manchmal auch als das Fehlen von Vorsehung bzw. als die Vorherrschaft der Zufälligkeit im Rahmen der von Gott bestimmten Naturgesetzte beschrieben). Demgegenüber bedeutet individuelle Vorsehung, dass Gott alles zur Kenntnis nehme, was der Einzelne tut, und dementsprecehend das Leben dieses Einzelnen gestalte; darauf beruht z. B. der Glaube an Belohnung und Bestrafung (für Verdienste bzw. Sünden).

Zwischenbemerkung: Die reformchristliche Prädestinationslehre, in der alles Geschehende einerseits von Gott ausgehe, andererseits aber nicht auf die Entscheidungen des Einzelnen zurückzuführen, sondern noch vor der Schöpfung der Welt vorherbestimmt worden sei, hat meines Wissens kein jüdisches Gegenstück.

Was die Einzelheiten betrifft, so gehen die Meinungen auseinander. Maimonides hat geglaubt (Moreh Newochim III Kap. 17-18), dass die individuelle Vorsehung nur bei Menschen möglich sei und dass der Grad der Vorsehung bzw. das Ausmaß der göttlichen Einmischung in das Leben des Einzelnen sich nach dem Weisheitsgrad desselben richte (wenn ich mich nicht irre, bilden bei Maimonides Weisheit und Vorsehung verschiedene Aspekte von ein und demselben: der Nähe zu Gott, der die Weisheit an Einzelne verschenkt und mithin auch besser auf diese aufpasst).

Andere (insbesondere im essentialistischen Gedankengut des Chassidismus) sind der Auffassung, dass die individuelle Vorsehung sich auf Israel beschränke und zwar ganz abgesehen vom jeweiligen Weisheitsgrad (hier kann man schon merken, dass in manchen chassidisch-kabbalistischen Lehren Israel aus der Menschheit herausgehoben, die Menschen dabei als höchstes aller tierischen Lebewesen angewesen werden; aber das ist ein anderes Thema).

So weit also die diesmalige Verallgemeinerung. Und warum bin ich darauf überhaupt eingegangen? Weil in den jetzigen Wochenabschnitten (der letzten Woche: "Wa'era"; der jetzigen: "Bo") Gott sich auf eine Art und Weise einmischt, die man immer wieder neu hinterfragen muss. Er fügt nämlich den an diesem Weltgeschehnis eigentlich kaum beteiligten Bewohnern Ägyptens ganz ganz harte Plagen zu, obwohl:

1. es nur der Pharao ist, der Israel nicht ausziehen lässt, und
2. Gott selbst derjenige ist, der den Pharao daran hindert, Israel ausziehen zu lassen.

Und wozu das Ganze? Damit Gott auf diese Art und Weise seine Macht verkündet (vgl. 2. Mose 7:3, 10:1), d.h. damit er sich Ruhm und Ehre verschafft (vgl. etwa 2. Mose 14:4 - gehört schon zum nächsten Wochenabschnitt bzw. zur Seedurchquerung). Von einer (gerechten) Bestrafung kann hier also keine Rede sein (und die Kommentatoren geben sich tatsächlich Mühe, Rechtfertigungen zu finden).

Was haben hier also mit einer Gottesvorstellung zu tun, in der Gott einen Menschen dazu zwingt, ihm den Anlass zu geben, diesen einen und zahlreiche andere zugleich ebenso grausam wie zusammenhangslos zu verfolgen. Vergleicht man es mit anderen Bibelstellen, etwa mit Jesaja 6:9 ff (wo Gottes Zorn gegen das eigene Volk gerichtet wird, während dieses von Gott nunmehr dazu verurteilt wird, nicht zu verstehen, sich nicht zu bekehren und nicht heilen zu lassen), so gewinnt man den Eindruck, dass dieses "Spiel mit sich selbst" auf Kosten lebendiger Menschen eigentlich ein Charakteristikum dieser Gottheit ist, zumindest in der damaligen Zeit.

Inwiefern dieses Verhalten für damalige Götter typisch oder aber das Privilegium einer alleinigen Gottheit war, vermag ich nicht zu sagen; dazu kenne ich mich mit altorientalischer Religiongeschichte kaum gut genug aus. Aber selbst wenn diese Geschichte keine Ausnahme bildet, bleibt eine Frage schweben:

Ist es immer bzw. unbedingt gut, mit göttlicher Vorsehung versehen zu werden? Oder funktioniert die Schöpfung manchmal ungefähr so wie jedes hierarchische System: Je seltener man ins Visier des Chefs gerät, umso geringer sind die Chancen, dass es einem schlecht geht?

Freitag, 4. Jänner 2008

Von Gott, dem Glauben und dem Rabbinerberuf: Vorschabbesdike Reflexionen

Gott.

Was ist "Gott"?
Was oder wer ist er/sie/es in seiner jetzigen Beziehung zu mir? zu dir?
König? Vater?
Freund? Feind?
Eine Mischung?
Was ganz anderes?
...darf sich jeder, muss sich keiner fragen.

Aber lässt sich überhaupt eine Aussage machen, die über den jetzigen Augenblick hinausgeht, ohne dabei, wenn nicht gerade dadurch, in die Gefahr des Dogmatismus zu geraten?

*

Mit der Glaubensfrage darf es nichts zu tun haben. Denn die Glaubensfrage ist genauso irreführend wie die nur scheinbar positive, hierzulande gar nicht so seltene Feststellung, Israel habe ein Recht zu existieren: Wenn schon, dann hat Israel aber das Recht darauf, dass über sein Existenzrecht nicht (mehr) diskutiert würde.

Die Glaubensfrage sieht bereits von ihrem Ansatz an völlig von Gott ab. Sie konzentriert sich auf einen innermenschlichen Diskurs, bei dem Gott nur die Kulisse bilden und nie die Bühne betreten darf. Es ist gleichgültig, wie man auf die Frage antwortet: Man hat Gott schon objektiviert. Es ist gleichgültig, woran man jeweils glaubt: Indem man sich den eigenen Glauben definiert hat, ist dieser schon dogmatisch geworden.

Die Glaubensfrage erwartet dort eindeutige Antworten, wo die Wirklichkeit keine zulässt.

*

Wenn Rabbiner nicht nur in ihrer juristischen Funktion denjenigen Rechtsanweisungen erteilen, die sie erhalten wollen, sondern in ihrer seelsorgischen bzw. geistlichen Funktion auch von "Gott" reden: was wissen sie dann, was können sie eigentlich von der Beziehung wissen, die Gott zu anderen hat?

Also - sagt der Modernist - brauchen wir keine Rabbiner mehr.

Aber doch, antwortet der postmoderne Existenzialist: Denn gerade die Rabbiner dürfen diejenigen sein, die genug wissen sollen, um zu wissen, dass sie von der geistigen Wirklichkeit der anderen, von deren Begegnungen mit Gott, von Gottes Beziehungen zu ihnen im Grunde genommen nichts wissen und dies als Menschen auch nicht wirklich wissen können. Nur solche sind imstande, die Gemeinden vor irreführendem Dogmatismus zu schützen, ob dem orthodoxen, dem liberalen oder einem andersartigen.

Dort, wo einer meint, Gott sei böse/gut, Frauen sollten mit den Männern gemeinsam beten oder dies gerade meiden, an der mündlichen Lehre müssten grundsätzliche Änderungen/dürften keine solchen vorgenommen werden usw. usf.: Dort ist es die Aufgabe des Ortsrabbiners, die jeweils andere Seite der Medaille zu erklären.

Schließlich muss die Praktik von der Gemeinde bzw. von jedem einzelnen Mitglied als freiem Menschen "mit den Füßen" gebilligt werden. Eine "Formel für alle" gibt es nicht - und es ist auch gut so. Daher darf sich die Synagoge nicht exklusiv verhalten. Die Praktik darf und soll abgewechselt werden, je nach dem Wunsch und der Initiative der Gemeindemitglieder: Ein guter Rabbiner steht ihnen bei der Verwirklichung ihrer Ideen zur Verfügung.

Wenn einer eindeutige Antworten bekommen will, wird es zur Aufgabe des Rabbiners erstens zu veranschaulichen, dass es im Bereich des Geistigen keine geben kann, und zweitens dem Fragenden zur geistigen Eigenständigkeit zu verhelfen. Denn das Bedürfnis nach übermäßiger Eindeutigkeit weist - nicht nur im geistigen, sondern etwa auch im zwischenmenschlichen Bereich - auf Wackeligkeit im entsprechenden Bereich innerhalb der eigenen Persönlichkeit hin. Das schlimmste, was der Rabbiner in solch einer Situation machen kann, ist diese gefährliche Tendenz nur noch zu stärken.

Es ist die Aufgabe des Rabbiners wie des Lehrers und des Dozenten: Den Mitmenschen, die es wollen, dorthin zu helfen, wo sie keines mehr bedürfen.

Eigenständigkeit und verantwortungsvolle Souveränität beim schwierigen Umgang mit dem Göttlichen nicht nur aufzuweisen, sondern auch zu verbreiten: Das wären meine Erwartungen von einem Rabbiner im 21. Jahrhundert.

*

Jüdisch zu leben, das heißt: Den immer währenden Fragezeichen nicht zu entfliehen, weder den verlockenden Antworten des Glaubens noch der trügerischen Einfachheit des Atheismus zu verfallen.

Samstag, 29. Dezember 2007

Eine Fußnote zu Genesis

Zu Genesis wollte ich in der vorletzten Woche Stellung nehmen, als wir im Begriff waren, Genesis bzw. 2. Mose bzw. Bereschith zu Ende zu lesen. Jedoch konnte der gute Vorsatz aus Zeitgründen nicht in Erfüllung gehen. Also habe ich mich jetzt noch dazu gezwungen, bevor es "zu spät" wird (oder aber zu früh für den nächstjährigen Lesezyklus).

Einerseits handelt es sich beim Buch Genesis um sehr Wichtiges: um die Erzfamilie, also um den Ursprung des Volkes und dessen Vorzeichen; im Rückblick möchte man auch sagen: um die Anfänge der Heilsgeschichte. Andererseits fallen die Geschichten von der Erzvätern und -müttern gerade durch die zahlreichen Missetaten auf, die in sie verwoben sind. Dabei sehe ich absichtlich von der Ursünde, der ersten Mordtat u. Ä. ab und richte das Augenmerk gerade auf die "Kleinigkeiten", von denen man meinen könnte, sie wären für die Heilsgeschichte überhaupt nicht nötig gewesen.

Ich versuche also eine Liste dieser Missetaten herzustellen; freilich kann ich mich nicht an alles erinnern:

~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~

Abraham stellt Sarah, sein Weib bzw. seine Frau, als seine Schwester vor und überredet sie dazu, sich ebenfalls so vorzugeben. Er verhindert nicht, dass sie infolge seiner falschen Aussage zu einem anderen Mann genommen wird. Ganz im Gegenteil: Er wird für sie gut bezahlt. Erst durch Gottes Einmischung kommt es doch nicht zum Sexualverkehr und Sarah wird zu Abraham zurückgebracht. Und das nicht ein-, sondern zweimal: Zuerst mit dem Pharao (1. Mose 12:10-20), dann mit Abimelech, dem König von Grar (1. Mose 20:1-18). Interssanterweise wiederholt es sich zum dritten Mal bei Isaak, der Rebekka ebenfalls als seine Schwester vorstellt (1. Mose 26:7).

Abraham versucht, seinen eigenen Sohn zu schlachten, und scheut sich zu diesem Zweck nicht davor, Isaak zu belügen und dessen Vertrauen auszunutzen (1. Mose 22:1-19). Wie sich diese Gräuelerfahrung auf Isaak eingewirkt hat, kann man sich vorstellen.

Abraham schickt seinen Knecht in die alte Heimat, um dort eine Frau für Isaak zu finden. Vom Bräutigam will der Knecht nicht zu viel erzählen; vielmehr lässt er die Geschenke reden, mit denen er Rebekkas Familie überschüttet. Erst wenn es schon zu spät ist, darf Rebekka die Wahrheit erfahren: "Und Isaak ging gegen Abend hinaus, um sich auf dem Feld zu ergehen. Da hob er seine Augen und sah: Kamele kamen daher. Und auch Rebekka hob ihre Augen und sah Isaak. Da fiel sie vom Kamel herunter [Rev. Elberfelder: "Da glitt sie vom Kamel"]. Sie sprach zu dem Knecht: "Wer ist jener Mann, der dort auf dem Feld uns entgegenkommt? Und der Knecht sprach: "Das ist mein Herr!" Da nahm sie den Schleier und verhüllte sich." (1. Mose 24:63-65).

Lot, Abrahams Neffe, will dem Sodomer Pöbel seine eigenen, noch jungfräulichen Töchter übergeben, damit sie vom Pöbel vergewaltigt werden und Lots Gäste, Gottes Boten, von diesem Geschick verschont bleiben (1. Mose 19:1-38; interessanterweise rächen sich die Töchter nachher, indem sie ihn narkotisieren und begatten).

Jakob kauft Esau die Erstgeburt ab (1. Mose 25:29-34). Das muss man abermals lesen: Jakob kauft Esau die Erstgeburt ab. Wie ist die Erstgeburt zur Ware geworden? Wie ist Jakob überhaupt auf die Idee gekommen, mit so etwas handeln zu können? (Und leise hinzugefügt: Ist das der Ursprung "jüdischer Geschäftstüchtigkeit"?)

Jakob führt seinen eigenen, blinden Vater irre, um den Segen des Erstgeborenen zu bekommen, und zwar nachdem ihn seine Mutter, Isaaks Frau (!), dazu verleitet hat (1. Mose 27). Im Übrigen stellt sich hier die Frage, warum es überhaupt zu solch einem Betrug hätte kommen müssen, wenn sich die Erstgeburt einfach so verkaufen ließe, wie es Genesis beschreibt? Schließlich muss Rebekka Jakob zur Flucht nach Haran, zu ihrem Bruder Laban raten.

Nachdem Jakob sieben Jahre lang im Dienste Labans gearbeitet hat, um Rahel zu bekommen, gibt ihm Laban im Schutze der Dunkelheit Lea, die ältere Tochter (1. Mose 29).

Innerhalb der Erzfamilie geht es mit dem Handel recht voran: Lea will Rahel eine Nacht mit dem gemeinsamen Mann abkaufen. Und: Rahel verkauft ihrer Schwester die Nacht. Und: Jakob lässt sich darauf ein (verkauft ist verkauft, das weiß er wohl am besten; 1. Mose 30:14-16).

Jakob und Laban betrügen einander bei der Aufteilung der Schafherden (1. Mose 30:31-43).

Jakob teilt Laban nicht mit, dass er vorhat, ihn zu verlassen und in seine Heimat zurückzukehren. Beim Auszug aus Labans Haushalt stiehlt Rahel ihrem Vater die Götzerbilder (1. Mose 31:19-44).

Nachdem Schechem, der Sohn Hamors, Dina, die Tochter Leas, vergewaltigt hat, schlägt Hamor Jakob und seinen Söhnen vor, dass sie den Söhnen Hamors ihre Töchter geben und im Gegenzug die Töchter der Familie Hamors bekommen. Noch will er ihnen alles geben, was sie bekommen möchten, um Dina abzugeben. Die Söhne Jakobs willigen scheinbar darin ein, indem sie voraussetzen, dass Hamor und seine Söhne sich beschneiden. Das tun sie auch, doch am dritten Tage, während sie noch leiden, werden sie alle von den Söhnen Jakobs getötet, ihr sämtlicher Besitz geraubt (1. Mose 34).

Ruben begattet Bilha, die Kebse Jakobs, seines Vaters (1. Mose 35:22).

Die Söhne Jakobs wollen Josef, ihren Bruder, erschlagen. Schließlich wird er "nur" in die Grube hineingeworfen, in der es "kein Wasser", aber wohl anderes gibt. Als die Brüder Jakob als Knecht an die Ismaeliten verkaufen wollen, müssen sie feststellen, dass ihnen die Midianiter zuvorgekommen sind. Dann führen sie ihren eigenen Vater irre, indem sie ihn glauben lassen, Josef wäre gefressen worden (1. Mose 37).

Juda hält nicht sein Wort, das er Tamar, seiner Schwiegertochter, gegeben hat, nämlich, dass sie die Frau Schelas, seines dritten Sohnes, wäre. Daraufhin verführt Tamar ihren Schwiegervater, Juda, der sie begattet, weil er sie für eine Hure hält (1. Mose 38). Aus diesem Geschlechtsverkehr sollte noch David hervorgehen (also auch der Heiland).

Man möchte hier auch auf Josefs unehrlichen Umgang mit seinen Brüdern in Ägypten hinweisen, doch erscheint es nach alledem, was sie selbst angetan haben, fast angemessen...

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Lügen, Irreführungen, Betrügereien und sogar Zuhältereien: In Genesis bilden die Missetaten keine Ausnahmen, sondern die Regel. Im Bereich der zwischenmenschlichen Beziehungen bzw. des Familienlebens ist die israelitische Erzfamilie kläglich gescheitert. Vorbildlich? Kaum. Kindergerechter Lesestoff? Wohl auch nicht.

Die Geschichte der Erzväter und -mütter stellt eine große, weil grundsätzliche Schwierigkeit dar. Was soll uns mit dieser Problematik vermittelt werden? Auf diese Frage vermag vielleicht mancher eine Antwort zu geben. Es scheint mir aber angebrachter zu sein, die Frage unbeantwortet "schweben" zu lassen. Manchen Fragen steht es nämlich zu.


P.S. Um den Beitrag trotzdem mit einem positiven Ton ausklingen zu lassen:



Danke an Marek aus Warschau für den Hinweis!

Samstag, 24. November 2007

Zersplittertes Volk

Git Woch allerseits,

es ist mir am Schabbes etwas eingefallen, worüber ich eigentlich vor langem schreiben wollte:

Zu den hohen Feiertagen war ich zuhause. Das hat dieses Jahr ziemlich gut geklappt: Nach dem Austauschjahr in Berlin und noch vor der Aufnahme des Zweitstudiums in Heidelberg. Am Versöhnungstage habe ich mit meiner Mame darüber diskutiert, wie sich gerade an diesem Tage so viele, auch "fernere" Juden in der Synagoge sammeln, wie sie dann gewissermaßen kurzfristig zueinander finden. Das ist einerseits sehr schön, führt aber andererseits zu Gedanken über den ansonsten doch sehr zersplitterten Zustand Israels, sowohl im eigenen Staat als auch im Ausland.

Bei dieser Gelegenheit hat mir meine Mame erzählt, dass sie, bevor sie nachts den Schma sagt, ihrem Gebet noch etwas hinzufügt. Wie ihr wohl wisst, handelt es sich beim Schma um das jüdische Glaubensbekenntnis: Höre, Israel: Der Ewige [ist] unser Gott, der Ewige [ist] eins (vgl. 5. Mose 6:4). Ihr Zusatz zum Schma lautet nun folgendermaßen:

Höre, Ewiger: Israel ist dein Volk, Israel ist eins!

Das Schöne an dieser Anspielung, die sowohl als Bitte wie auch als Erinnerung verstanden werden kann, ist ihre Einfachheit und Direktheit. Ich habe es für mich angenommen, wenn auch an einem anderen "Ort". Mir scheint nämlich eine Stelle im Morgen- und Abendgebet dafür besonders geeignet zu sein. Vor dem Schma wird den sog. Liebessegen gesagt, der jeweils anders formuliert ist. Der Abschluss z. B. lautet im Morgengebet: "gesegnet seist du, Ewiger, der sein Volk Israel mit Liebe auserwählt"; und im Abendgebet: "..., der sein Volk Israel liebet". Gleich danach kommt der Schma. Mich dünkt also, dass es besonders gut passt, wenn die besagte Einheitsbitte zwischen den Liebenssegen und den Schma leise einfügt wird.

Und in diesem Sinne wünsche ich euch allen eine angenehme Woche,
Yoav

P.S.
Wenn schon vom Volke die Rede ist: Nächste Woche findet in Jerusalem der neue jüdische Kongress statt. Das diesmalige Thema lautet: "Wer vertritt das jüdische Volk? Die Souveränität des jüdischen Volkes über den Staat im Lande Israels".

P.S. 2
Und wenn wir schon Jerusalem erwähnt haben: Vor kurzem habe ich auf youtube eine kostbare Aufnahme vom Jahre 1970 gefunden (Kontextualisierung: Nach dem Sechs-Tage-Krieg 1967, vor dem Versöhnungstage-Krieg 1973). Es handelt sich um den zweiten jüdischen Liederwettbewerb, bei dem die (ehemalige) Sängerin Ilana Rovina mit dem Lied "Sei von Gott gesegnet" gewonnen hat: "Es segne dich der Herr vom Zion her. Du sollst dein Leben lang das Glück Jerusalems schauen und die Kinder deiner Kinder sehen. Frieden sei über Israel!" (Psalm 128:5-6)



Amen!

Sonntag, 28. Oktober 2007

Kurze Anmerkung zum letzten Wochenabschnitt

In der Parscha der vorhin ausgegangenen Woche wird davon erzählt, wie Abraham Gottes Befehl befolgte und seinen Sohn Isaak ans Altar band, um ihn gleich als Opfer zu schlachten. Die positiven, Abrahams Verhalten verherrlichenden Lesarten sind sehr bekannt und brauchen hier daher nicht wiederholt zu werden. Mich dünkt jedoch, dass Abraham bei diesem Versuch weitestgehend scheiterte. Gott erwartete von ihm die gewissenhafte Souveränität eines wahrhaft freien Menschen; er wollte, dass Abraham sich als gläubig genug erweisen würde, um notfalls auch Nein sagen zu können, und zwar ohne dabei Angst zu haben, dass dies den Glauben erschüttern könnte. Denn selbst der kleinste Soldat muss sich stets gut überlegen, ob der Befehl des größten, obersten und wichtigsten Kommandeurs überhaupt durchgeführt werden darf: Das ist die moralische Grundlage jeder hierarchisch strukturierten Beziehung. Abrahams Glaube war aber noch längst nicht ausgereift, um sich Gott gegenüber angemessen verhalten zu können. Daher musste sich Gott (durch den himmlischen Boten) einmischen und Abraham selbst daran hindern, den eigenen Sohn zu schlachten. Bis zum allerletzten Augenblick wartete Gott und hoffte darauf, dass sich Abrahams Glaubensrückgrat bekundet. Wie sehr muss er alsdann enttäuscht gewesen sein.

Samstag, 29. September 2007

Sukkos

a gute Woch,

wer sich zu Sukkos in noch keine Synagoge gewagt hat, dürfte sich für den folgenden Videobeitrag interessieren (aufgenommen bei Chol HaMoed 5767 in Alon Shvut, Israel):



Und apropos korrekte Wünsche: Bei Chol HaMoed (entweder dem von Sukkos oder dem von Pessach) wünscht man kein "Chag sameach" (frohes Fest) bzw. "gut Jontef" (auf Jiddisch), weil es dann im juristisch-halachischen Sinne kein richtiges Fest gibt. Stattdessen begnügt man sich mit "Moadim l'Simcha" (Versammlungstage für Freude), worauf man mit "Chagim uSmanim l'Sasson" (Feste und Zeiten für Fröhlichkeit) antwortet. Diese Formel ist dem besonderen Fest-Kiddusch entnommen: "[...] Du hast uns, Ewiger, unser Gott, mit Liebe Versammlungstage für Freude, Feste und Zeiten für Fröhlichkeit [...] gegeben."

Mittwoch, 19. September 2007

Korrekte Neujahrswünsche

Endlich habe ich etwas Zeit gefunden, um mein Versprechen vom letzten Beitrag einzuhalten, nämlich zu erklären, was man sich zu den verschiedenen Zeiten im Laufe des Monats Tischrej wünscht. Der Haken daran ist, dass die Wunschausdrücke teilweise sehr eng mit der theologischen Interpretation des jeweiligen Zeitpunktes zusammenhängen. Das heißt also, dass der korrekte Wunsch sich "plötzlich" ändern kann. Daher wird im Folgenden versucht, die Sache chronologisch zu ordnen.

Gregorianische Daten kann ich keine nennen, da der gregorianische Kalender sich stets "bewegt". Im Netz gibt es aber glücklicherweise einen Doppelkalender: www.kaluach.net (einfache, kostenlose Anmeldung ist erforderlich)


1. Einleitung: Was geschieht eigentlich am Neujahr?

Der religiöse Inhalt des Neujahrsfestes besteht vornehmlich im Neujahrsgericht, bei dem das Geschick aller Menschen fürs eben angefangene Jahr festgelegt wird. Davon erzählt der babylonische Talmud (Rosch Haschone 16:2) im Namen von Rabbi Jochanan:

Drei Bücher werden am Neujahr geöffnet: Eines für die durchaus Bösen, eines für die vollkommen Gerechten und eines für die Mittelmäßigen. Vollkommen Gerechte werden gleich fürs Leben [d.h. ins "Buch der Lebenden"] eingeschrieben und besiegelt. Durchaus Böse werden gleich für den Tod [d.h. ins "Buch der Toten"] eingeschrieben und besiegelt. Mittelmäßige bleiben vor Gericht vom Neujahr bis zum Versöhnungstage [am 10. Tishrej] stehen: Sind sie freigesprochen worden, so werden sie fürs Leben eingeschrieben; sind sie nicht freigesprochen worden, so werden sie für den Tod eingeschrieben.


Ferner kommen im "Unser Vater, unser König"-Gebet, das vom Neujahr bis zum Versöhnungstage in der Synagoge aufgesagt wird, das "Buch des guten Lebens", das "Buch der Erlösung und Rettung", das "Buch von Unterhalt und Versorgung", das "Buch der Verdienste" sowie das "Buch von Vergebung und Verzeihung" vor. In einem festlichen Zusatz zum normalen Achtzehn- bzw. Standgebet wird zu dieser Zeit auch das "Buch von Leben, Segen und Frieden, gutem Unterhalt und guten Urteilen, Rettungen und Tröstungen" erwähnt.


2. Ab wann wird gewünscht?

Der sechste Monat, d.h. der Monat vor dem Neujahr, heißt "Elul". In diesem Monat wird wochentags (d.h. täglich außer samstags) nach Schachris, dem Morgengebet, das Schofar geblasen. Auf diese Weise wird an das baldige Neujahrsgericht gemahnt. Ab dem ersten Elul steht also das Neujahr "amtlich" bevor. Wenn man im Elul einem Menschen begegnet, den man bis zum Neujahr wohl nicht mehr sehen wird, kann und soll man ein gutes Jahr etc. wünschen - wie im Folgenden erklärt.

Nebenbei bemerkt: Auf Jiddisch dient "gut Jor" auch zu sonstigen Zeiten als Grussformel, und zwar im Sinne von "hallo"+"lange nicht gesehen".


3. Vom 1. Elul bis zum Mittag des ersten Neujahrstages

Obwohl im 3. Mose 23:24 nur von einem Tag die Rede ist ("im siebten Monat, am ersten Tag des Monats"), dauert das jüdische Neujahrfest zwei Tage, d.h. bis zum 2. Tischrej. Dies gilt selbst im Lande Israels, wo sonst kein Fest verdoppelt wird. Auf die Entstehungsgeschichte dieser Ausnahme möchte ich jetzt nicht eingehen, aber man soll sich zumindest merken, dass von diesen beiden Tagen nur der erste das eigentliche Neujahr ist.

Zu dieser Zeit wünscht man sich "Schana towa", d.h. ein gutes Jahr, sowie "Ktiwa towa waChatima towa", d.h. gute Einschreibung und gute Besiegelung. Beim Schreiben hebt sich der Sprachgebrauch: "Möget ihr für ein gutes Jahr eingeschrieben und besiegelt werden". Und früher schrieb man: "Möget ihr ins Buch der Lebenden eingeschrieben und besiegelt werden".

Diese Wünsche beziehen sich auf das vorerwähnte Neujahrsgericht. Sie gelten als richtig bis zum Mittag des 1. Tischrej, an dem alle Menschen bereits in das für sie geeignete Buch eingeschrieben worden sind.


4. Vom Mittag des erten Neujahrstages bis zum Vorabend des Versöhnungstages

Vollkommen Gerechte und durchaus Böse sind am ersten Neujahrstage für ihr jeweiliges Geschick im neuen Jahr gleich besiegelt worden. Nicht beschlossen ist noch jenes der Mittelmäßigen - und das sind ja die meisten. Diese können bis zum Versöhnungstage ihr Urteil noch ändern, indem sie sich von ihren Missetaten bekehren. Daher wünscht man zu dieser Zeit noch "Chatima towa", also gute Besiegelung (aber keine "Ktiwa towa" bzw. gute Einschreibung mehr).


5. Am Vorabend des und am Versöhnungstage selbst

Am 10. Tischrej, dem Versöhnungstag, und zwar bei dessen Abenddämmerung, wird auch das Schicksal aller Mittelmäßigen endgültig beschlossen. Zu dieser Zeit wünscht man "Gmar Chatima towa", d.h. gute Endbesiegelung. Zuletzt habe ich bemerkt, dass viele bereits gleich nach dem Neujahrsfest damit anfangen, "Gmar Chatima towa" zu wünschen; das ist aber falsch (wie in Punkt 4 erklärt).

Nebenbei bemerkt: In dieser Formel gibt es einen kleinen grammatischen Fehler, denn "Gmar" ist maskulin und daher sollte es lauten "Gmar Chatima tow" (und nicht "towa"). Aber das macht nichts aus, da wir hier mit einer festen Redewendung zu tun haben.

Nachtrag [23.09.2007]: In israelischen Medien verbreitet sich seit geraumer Zeit der Wunsch "Zom kal" bzw. "leichtes Fasten". Dieser scheint in Widerspruch zum Gebot zu stehen, sich an diesem Tage [durch Enthaltung] zu quälen (vgl. 3. Mose 16:29, 16:31, 23:27, 23:29, 23:32; 4. Mose 29:7). Manche Denker haben aber gesagt, dass mit dem "Quälen" ausschließlich die Enthaltung gemeint ist; und wem das Fasten gut und leicht ergangen ist, der soll sich freuen, weil es demnach ein gutes Vorzeichen sein darf. Ohnehin scheint es mir besser und angebrachter, ein wirksames, verbesserndes Fasten zu wünschen. [Nachtragsende]


6. Vom 11. Tischrej bis zum letzten Sukkoth-Tag

Etwas umstritten ist die aschkenasische Tradition, nach der das Geschick erst an Hoschana Raba, dem letzten Laubhüttenfesttag bzw. den 21. Tischrej, wirklich endgültig besiegelt wird. Diese Auffassung wird von den Opfern abgeleitet, die am 22. Tischrej darzubringen sind, aber darauf wollen wir jetzt nicht eingehen.

Zu dieser Zeit und insbesondere an Hoschana Raba selbst wünscht mancher "Pikta tawa" (auf Aramäisch) oder "gut Quittl" (auf Jiddisch), d.h. einen guten Zettel. Gemeint ist der persönliche Zettel von jedem und jeder, auf dem das heurige Urteil steht und den Gott an diesem Tage seinen Gesandten gibt, damit sie es denjenigen im göttlichen Verwaltungsapparat weitergeben, die das Urteil umzusetzen haben. Nach jüdischer Mystik könne man bis zu diesem Tage und sogar an diesem Tage selbst durch Reue und Umkehr das Urteil auf seinem Zettel noch versüßen. Auch der Brauch, sich in der Nacht von Hoschana Raba mit der Thorah zu befassen, haben jüdische Mystiker mit dieser Quittl-Tradition in Verbindung gebracht (er geht aber wohl darauf zurück, dass diejenigen, welche die 5. Bücher Mose noch nicht durchgelesen haben, dies noch vor Simchat Thorah nachholen wollen). Weil die Quittl-Tradition sehr eng mit jüdischer Mystik zusammenhängt, erfreut sie sich in chassidischen Kreisen größerer Verbreitung als anderwärts.


So, damit ist die Sache hoffentlich etwas verständlicher geworden...

Chatima towa,
Gute Besiegelung!

Mittwoch, 12. September 2007

a gut gebentscht Jor!

Liebe Menschen,

heute Abend (nach eurer Zeitrechnung) bzw. morgen (nach der unsrigen) fängt ein neues Jahr an - 5768. Auf Hebräisch heißt das zweitägige Fest "Rosch HaSchone" oder - in sefardischer Aussprache - "Rosch HaSchana". Im Gegensatz zu den meisten jüdischen Festen, deren Bedeutung eng mit Israel zusammenhängt, ist das allgemeine Neujahr auch euer Fest!

Eine weitere, wenn auch kleine Ausnahme bildet die endzeitliche Zukunft von Sukkuth, dem Laubhüttenfest, wenn alle Menschen jährlich nach Jerusalem reisen und bei uns zu Gast sein sollen (vgl. Secharja Kap. 14). Anders ist es beim allgemeinen Neujahr, das von universeller Bedeutung ist und genauso für euch gilt wie für uns.

Im Judentum gibt es nämlich in jedem beliebigen Kreislauf von 12 Monaten mehrere Neujahre - genau gesagt sind es vier. So kommt es dazu, dass das allgemeine, mit der Schöpfung des Menschen zusammenhängende Neujahr im Monat Tischrej stattfindet, der nach jüdischer Tradition eigentlich der siebte ist. Demgegenüber fängt das biblische, sozusagen innerjüdische Jahr im Monat Nissan statt, in dem Gott Israel von dessen Knechtschaft in Ägypten erlöst hat. Mit diesem Ereignis hängt das wichtige Pessachopfer zusammen, von dem jeder Israelit essen muss und kein Nichtjude, Unbeschnittener (sowie andere, vgl. 2. Mose 12:43-50) verzehren darf. Aber beim allgemeinen Neujahr sind wir alle gleich, denn es wird dann über das Schicksal aller Menschen entschieden - Juden und Nichtjuden zugleich.

In der Zeit vorm sowie beim Neujahr selbst ist es üblich, sich "Ktiwa towa waChatima towa" zu wünschen (vgl. etwa meinen Beitrag vom 2. Sept.); auf Deutsch heißt es: "Gute Einschreibung und gute Besiegelung". Wenn man sich anschreibt, neigt sich der Sprachgebrauch zu heben: "Möget ihr für ein gutes Jahr eingeschrieben und besiegelt werden". In der nachstehenden Grusskarte findet ihr eine etwas ältere Formel, die sich besser auf den eigentlichen Inhalt dieser Zeit bezieht: "Möget ihr ins Buch der Lebenden eingeschrieben und besiegelt werden":


Gut Jor!


Die übliche Übersetzung ins Deutsche - "Buch des Lebens" - ist übrigens sprachlich falsch, vom Inhalt her aber natürlich in Ordnung.

Für die Zeit nach dem Neujahr und bis zum bevorstehenden Versöhnungstag sowie beim Versöhnungstag selbst und sogar danach gibt es verschiedene Grussformeln, die sehr eng mit der theologischen Interpretation dieser Zeit zusammenhängen und die ich, so Gott will, nach dem Neujahrfest noch erklären werde.

Euch möchte ich aber noch etwas wünschen, und zwar ein Jahr voll Wein. Wein: Das ist ja nicht nur das Getränk, sondern auch die Pflanze, die auf Hebräisch "Gofen" oder - in sefardischer Aussprache - "Gefen" heißt. Ehe wir vom Wein trinken, sagen wir (natürlich auf Hebräisch): "Gelobt seist du, Ewiger, unser Gott, König der Welt, der du die Frucht des Weins (d.h. die Weintrauben) geschaffen hast." Die Frucht des Weins, das heißt auf Hebräisch: "Pri HaGefen". In dem hebräischen Wort HaGefen - הגפן - gibt es vier Buchstaben, die auf Jiddisch folgendermaßen gedeutet werden:

H: Hazloche - Erfolg
G: Gesunt - Gesundheit
F = Ph = P: Parnosse - Lebensunterhalt
N: Naches - Zufriedenheit, Freude

Hoffentlich war es verständlich... Und wie gesagt:


Möget ihr haben ein Jahr voll Pri HaGefen, voll der Frucht des Weins!Carmel-Wein






Sonntag, 12. August 2007

Die verlorene Norm und die ersehnte Brüderlichkeit: a langes Wörtl far Mozej-Schabbes-Kojdesch Par. "Re'e"

In der Parscha der vorhin ausgegangenen Woche heißt es: "Lo titgodedu" (5. Mose Kap. 14:1), d.h. "ihr sollt nicht ..." - nicht was? Aus Raschis Kommentar zu diesem Wort, das auch sonstwo in der Bibel vorkommt (vgl. 1. Könige 18:28; Jeremia 16:6, 41:5, 47:5) lernen wir, dass es sich hier um das Verbot handelt, den eigenen Körper so wund zu ritzen, wie es die Amoriter machten, um auf diese Weise ihre Trauer über den Tod eines Verwandten o. Ä. zum Ausdruck zu bringen. Aus der Tosefta (Makot 3:9) lässt sich folgern, dass dieses Ritzen in der amoritischen Religion mit einem besonderen Gerät ausgeführt wurde, wahrscheinlich bis das Fleisch blutete: "Wer sich bei Todesfällen mit der Hand wund ritzt, ist [von Strafe] befreit [weil hier anscheinend kein Götzendienst zu vermuten ist]; wer es aber mit einem Gerät tut, der soll bestraft werden; wer es als Götzendienst - egal, ob mit der Hand oder mit einem Gerät - tut, der soll bestraft werden". Tur-Sinai übersetzt es folgendermaßen (ich führe den ganzen Vers an; kursiv steht das besagte Verbot): "Kinder seid ihr des Ewigen, eures Gottes. Ihr sollt euch keine Einschnitte machen und keinen Kahlschnitt zwischen euren Augen anbringen um eines Toten willen." Die ursprüngliche Bedeutung dieses Verbots ist also, etwas zu vermeiden, was unter den seinerzeitigen, andersgläubigen Bewohnern des Landes üblich war. Das Verbot kommt also in einem klaren Zusammenhang vor, denn es gibt zahlreiche andere Verbote mit demselben Sinn, insbesondere in diesem Wochenabschnitt.

Der Talmud (Jewamot 13:2) bringt eine andere Interpretation vor: "Ihr sollt euch nicht in (eigenständige) Gruppen aufteilen". Diese Interpretation lehnt sich an ein sehr ähnliches Verb an, das zuweilen gleich geschrieben wird und "sich versammeln", "sich zu einer Gruppe formen" bedeutet (vgl. Jeremia 5:7); manchmal ist es sogar nicht klar, welche Bedeutung gemeint ist (vgl. Micha 4:14). Auch wenn sie inhaltlich eher zusammenhangslos erscheint, ist diese Interpretation zumindest in sprachlicher Hinsicht akzeptabel. Immerhin spielt die Einheit eine große Rolle, weil die Identität Israels nicht nur auf dem gemeinsamen Recht, sondern vor allem auch auf der gemeinsamen Herkunft basiert. Zudem scheint die erste Bedeutung seit Jahrtausenden keine richtige Herausforderung mehr zu bilden: Der amoritische Brauch ist so sehr in Vergessenheit geraten, dass Raschi es ja für notwendig erachtet hat, dieses Verbot zu erklären. Und so bleiben wir praktisch mit der späteren Interpretation: uns nicht in Gruppen aufzuteilen.

Und es ist tatsächlich diese Verurteilung der Aufsplitterung, die uns seit eh und je Schwierigkeiten bereitet. Früher waren es etwa das geteilte Königreich zur Zeit des ersten Tempels, die rivalisierenden Sekten zur Zeit des Zweiten Tempels, der Kampf gegen die Karäer usw. usf. Heutzutage gibt es Chassidismus im Allgemeinen und Chabad-Lubawitsch mit ihren Eigentümlichkeiten im Besonderen; aschkenasische Litwaks; sephardische Ultraorthodoxe; Nationalreligiöse mit sehr verschiedenen Auffassungen; der ebenso vage wie weit verbreitete Traditionalismus nach israelischer Art; die (langsam verschwindende?) "moderne Orthodoxie" nach US-amerikanischer Art; die noch auf der Suche befindlichen "Conservadoxen"; das neue konservative Judentum der letzten 25 Jahren (das sich auch weiterhin aufzusplittern scheint); das "linksextreme" Reformjudentum; und daneben auch andere Strömungen, die nicht unbedingt an Gott glauben...

Doch im Grunde genommen, wenn auch pauschalisierend, lassen sich die gläubigen Strömungen in zwei "Parteien" zusammenfassen, die es als solche freilich nicht gibt: Einerseits das "orthodoxe Judentum", d.h. die Strömungen, deren Ideal (und oft auch die Praxis) ist es, die Anweisungen im Schulchan Aruch, dem reichlich kommentierten, weil grundlegenden Rechtswerk des Judentums in der Neuzeit, zu befolgen (nebenbei bemerkt: für manche jemenitischen Juden ist es der Mischne Thorah des Maimonides); andererseits das "liberale Judentum", d.h. jene Strömungen, die aus unterschiedlichen Gründen sehr verschiedene Änderungen an diesem Grundwerk vorgenommen haben. Wie immer, wenn es sich um weltanschauliche Fragen handelt, scheint auch hier keine Versöhnung möglich zu sein. Konservative Juden verstehen sich mit Reformjuden weit besser als mit Litwaks, die sich wiederum - trotz aller "innerparteilichen" Kontroversen - weit besser mit Chassidim verstehen als mit Reformjuden.

Den Stein des weltanschaulichen Anstoßes bildet hier die Frage: Wie gilt es mit dem von allen ererbten jüdischen Recht umzugehen? "Die Liberalen" sagen, dass das jüdische Recht in unserer Volksgeschichte immer wieder aktualisiert, verändert oder durchaus reformiert wurde; und historisch betrachtet haben sie Recht: Man denke etwa an die "Neugründung" des Judentums durch Esra & Co. oder an die große Reform durch Rabban Gamliel von Jawne & Co., die das Fortbestehen Israels nach der Zerstörung des zweiten Tempels ermöglichte. Also, sagen "die Liberalen", warum soll man mit den Reformen nicht weitermachen, um die ererbte Tradition an die veränderten Umstände, diesmal also an die Moderne anzupassen? Jedoch haben "die Orthodoxen", die als "Kontrarevolutionäre" ebenfalls ein Produkt der Moderne sind, wohl begründete Ängste vor massiven Änderungen am jüdischen Recht. In der jüngeren Geschichte sind derartige Änderungen allzu oft in die Assimilation bzw. Akkulturation gemündet (3. Mose 18:3: "Ihre Bräuche sollt ihr nicht befolgen"). Außerdem wurden mit den beiden großen Reformen der Antike die Grundlagen schon weitgehend festgelegt, was nicht viel Platz für weitere Änderungen übrig lässt. Aber ausschlaggebend ist wohl die bloße Tatsache, dass die Moderne - im Gegensatz zu den Umständen bei den früheren Reformen - kein Zustand ist, der eine Reform erzwingt; ganz im Gegenteil: Dank moderner Technik und Technologie ist das Leben nach den Anweisungen des Schulchan Aruch weit leichter geworden.

Also? Hoffnungsloser Zustand des ewigen oder zumindest noch lange andauernden Kampfes? Nu, auch ein langes Wort soll sein a Wort, d.h. ein Happy Ending haben. Und so kommen wir auf unsere Parscha zurück, denn noch vor dem "lo titgodedu" heißt es (5. Mose 13:1): "Alles das, was ich euch gebiete, sollt ihr zu tun bedacht sein; du sollst nichts hinzufügen und nichts davon mindern." Das erinnert uns wohl an etwas, denn erst vor zwei Wochen haben wir gelesen (5. Mose 4:2): "Ihr sollt nichts hinzufügen zu dem Wort, das ich euch gebiete, und davon nichts mindern, zu wahren die Gebote des Ewigen, eures Gottes, wie ich euch gebiete." Dieses doppelte Verbot heißt im jüdischen Kanon "bal tosif" - aber wozu die Wiederholung? Der Wilnaer Gaon meint, die Wiederholung weist darauf hin, dass die beiden herkömmlichen Interpretationen zugleich richtig sind, nämlich: 1. es ist verboten, ein neues Ge- bzw. Verbot einzuführen oder ein bestehendes zu tilgen (d.h. das "Was" zu ändern); 2. es ist verboten, die vorgeschriebene Durchführung eines Gebotes zu erweitern oder zu verringern (d.h. das "Wie" zu ändern).

Nun ist aber so, dass man sowohl bei der einen als auch bei der anderen Partei weitgehende Abweichungen vom ursprünglichen Sinn des biblischen Textes feststellen kann. Ich meine jetzt nicht die Sachen, wo die mündliche Überlieferung notwendigerweise den schriftlichen Text ergänzt, z.B. bei der Praxis der Tfillin, die im schriftlichen Text nicht erläutert wird; sondern die zahlreichen "Sicherheitszonen" um das biblische Recht herum, die die alten Weisen verfügt haben, z.B. die Gleichsetzung von Geflügelfleisch mit Viehfleisch. Man kann also sagen, dass "die Liberalen" links von der rechtlichen Norm, "die Orthodoxen" hingegen rechts von der Norm stehen (aber nicht unbedingt in denselben Fragen).

Meiner Meinung nach sollte diese Norm, wenn möglich, wiederhergestellt werden. Wer "extra leisten" möchte, dürfte es auch weiterhin tun, jedoch gölte es dann eben als "Extraleistung", als das halachische Ideal und nicht mehr als die zu erwartende Norm. Der Begriff der Extraleistung - auf Hebräisch: "Chumra" (bei Verboten) oder "Hidur Mizwa" (bei Geboten) - ist im jüdischen Recht schon tief verankert und wird auch verschiedentlich angewandt.

Für die "liberale Partei" würde es heißen, die Norm zu erhöhen und auch dann hoch zu halten, wenn die Gemeinde sich nicht allzu gut daran hält. So war es z. B. bei den einstigen Konservativen in den USA, die sich nunmehr lieber als "conservadox" bezeichnen, nachdem das konservative Judentum in den letzten 25 Jahren extremer "Reformisierung" ausgesetzt gewesen ist; so war es auch in vielen modern-orthodoxen Synagogen (inzwischen hat aber auch diese Strömung wesentliche Änderungen durchgemacht und zwar in Richtung Ultraorthodoxie); und so ist es seit langem bei den orthodox gesinnten, aber nicht unbedingt orthodox lebenden Traditionellen in Israel (auf Hebräisch: "Masortijim", die aber nichts mit der konservativen "Masorti"-Bewegung zu tun haben). Meines Erachtens gibt es tatsächlich viele Juden, die aus ihrem (jeweils unterschiedlichen) Lebensstil keine neue, verbindliche Norm machen wollen und daher einer Gemeinde angehören wollen, deren "amtliche Norm" höher liegt als ihr (d.h. der Ersteren) eigener Lebensstil.

Fassen wir also den ganzen Gedankengang zusammen: Wie könnte man heutzutage das "lo titgodedu" befolgen? Indem man sich ans vorangehende und ebenso wichtige "bal tosif" hielte und auf diese Weise einen Kompromiss zwischen den beiden "Parteien" fände. Ja, das ist nichts mehr als ein Traum - dessen bin ich mir schon bewusst. Aber wie hat es jener assimilierte Jid formuliert? Wenn ihr es wollt...

Und in diesem Sinne: a gutn Chojdesch!

P.S. Apropos Herzl fällt mir was ein. In einer der wichtigsten Bibelstellen heißt es (4. Mose 15:39): "Und es soll euch zu Merkquasten sein, daß ihr es anseht und aller Gebote des Ewigen gedenkt und sie ausübt und nicht nachgeht eurem Herzen und euren Augen, denen ihr nachbuhlt" - Wos hejsst "ajer Harz"? Dos is Herzl! Un wos hejsst "ajere Äugn"? Dos is Kuk! ("Kukn" auf Jiddisch bedeutet auf Deutsch "gucken"... Ein uralter Witz eben, aus ultraorthodoxen Kreisen)

Sonntag, 5. August 2007

In der Tat a gute Kasche

Damit nicht der Eindruck entsteht, Chabad-Lubawitsch hätte "Immunität" vor meiner Kritik, nehme ich Bezug auf Chabad Berlins letzte "Jüdisches"-Ausgabe (Tammus/Aw 5767 bzw. Juli/August 2007). In der Rubrik "Frage und Antwort" hat man diesmal unter dem Titel "Warum ist das jüdische Gesetz so pingelig?" folgende Frage gebracht (das englische Original finden Sie hier; die deutsche Übersetzung hier):

Warum ist die jüdische Religion so von unwichtigen Details besessen? [...] Mir scheint, das größere Bild geht verloren, wenn man so viel Wert auf Nebensächliches legt. [...] Übrigens habe ich Ihnen diese Frage vor einer Woche schon einmal geschickt, aber keine Antwort erhalten. Haben Sie endlich einmal eine Frage bekommen, die Sie nicht beantworten können?

Und dann die Antwort von Rabbiner Aron (Aharon) Moss (laut chabad.org Lehrer für Kabbalah, Talmud und praktisches Judentum in Sydney, Australien):

Ich habe nie behauptet, alle Antworten zu kennen. [...] Ihre Frage habe ich allerdings sofort beantwortet. Dass Sie meine E-Mail nicht erhalten haben, ist schon die Antwort auf Ihre Frage!

Als ich Ihre Adresse tippte, habe ich nämlich den Punkt von dem "com" weggelassen. Ich dachte, Sie würden die Mail trotzdem bekommen, denn es handelte sich ja nur um einen kleinen Punkt. [...] Kann jemand so pingelig sein, zwischen "yahoocom" und "yahoo.com" zu unterscheiden? Ist es nicht lächerlich, dass Sie meine E-Mail nur wegen eines kleinen Punktes nicht erhalten haben?

Nein, es ist nicht lächerlich. Denn der Punkt ist mehr als ein Punkt. [...] Mir mag er unwichtig erscheinen, aber das liegt nur an meiner Unwissenheit, was das Internet anbelangt. [...]

Das jüdische Leben ist unendlich tief. Jede Nuance und jedes Detail enthält eine Welt an Symbolik. Und jeder Punkt zählt. [...]

Moss' Punkt (ha ha) ist klar; den Vergleich finde ich aber eher ungeschickt, denn damit wird der Abgrund zwischen Mensch und Maschine umso deutlicher. Der Computer ist eine Maschine, die nicht einmal für "dumm" gehalten werden kann, da es auch keine wirklich "klugen" Maschinen gibt; es kommt ja alles darauf an, wie der Mensch sie baut. Dieser hingegen ist ein intelligentes Lebewesen, das von alleine verstehen kann, was bspw. mit "Rathouse Schteglits" gemeint wird, sofern er sich mit der Materie (Berlin) auskennt. Möchten wir nun Gott, der sich mit der Schöpfung höchstwahrscheinlich auskennt, wirklich mit der Maschine gleichsetzen?

Offen gestanden, finde ich jetzt die Frage erst recht angebracht. Mir scheint tatsächlich, dass die halachische Norm stark "angeschwollen" ist und daher vorsichtig verringert werden soll; dementsprechend zu erweitern wäre dann das halachische Ideal.

Ein jüdisches Sprichwort sagt: Wenn der Gerechte des Städtls täglich nur 10 Minuten weniger lernte, würde der Schmied schon gar nicht mehr lernen. Aber wo sind heute die Schmiede? Sterben sie als "geistige Klasse" langsam aus? Lasst uns sie doch lieber reemanzipieren...

P.S. Wenn wir schon bei Verringerung sind: Ich kann schon verstehen, wie mancher auf die Idee kommt, "G-tt" statt "Gott" (oder "g-d" statt "god" usw.) zu schreiben. Und das sogar am Computer bzw. im Internet. Aber liebe Leute: Es gibt nichts, wirklich nichts, was an diesem Fremdwort - das ja zudem auch noch in einer fremden Schrift geschrieben wird - heilig sein könnte. Ganz im Gegenteil: Wenn man undifferenziert allerlei heiligt, verliert gerade das an Bedeutung, was wirklich als heilig zu erachten ist.

Samstag, 4. August 2007

Zum Wesen Israels und der Übertrittsfrage

In "Ekew", der Parsha der vorhin ausgegangenen Woche (wie in anderen Wochenabschnitten auch), macht Gott den Kindern Israels ein Angebot, "das man nicht ablehnen kann": Wenn sie sich an die göttliche Moral halten, die Ureinwohner vertreiben, deren Götzen vernichten usw. usf., wird es ihnen im Verheißenen Lande gut gehen; sonst wird Gott Israel genau das antun, was er mit den anderen Völkern vorhat. Interessanterweise wird diese Sonderstellung Israels hier sowie anderwärts immer wieder auf den Bund zurückgeführt, den Gott mit den Erzvätern geschlossen hat, z. B.: "So gedenke des Ewigen, deines Gottes, denn er ist es, der dir Kraft gibt, Vermögen zu schaffen, auf daß er seinen Bund halte, den er deinen Vätern geschworen, wie jetzt geschieht." (Dwarim 8:18, ins Deutsche von N. H. Tur-Sinai)

Bekanntermaßen wird zuerst Abraham, dann Isaak und schließlich Jakob jeweils auserwählt. Mit Jakob bzw. Israel hört das Auswahlverfahren auf; es ist seine Nachkommenschaft, die Gottes eigenes Volk bildet. Den Anspruch auf diese Sonderstellung - oder die Pflicht, in dieser Rolle zu figurieren - haben wir also ausschließlich deswegen, weil wir Israels Nachkommen sind. Gottes Volk sind wir also nicht deswegen, weil wir die Torah am Sinai bekommen haben, sondern im Gegenteil: Die Torah haben wir bekommen, weil wir Gottes Volk sind, was wiederum unserer Blutlinie entspringt.

Und das erinnert mich an eine Erfahrung, die meine Gedanken wohl geprägt hat: Vor ein paar Jahren - das war kurz vor dem israelischen Unabhängigkeitstag - habe ich im Rahmen meines politischen Engagements eine neue Unabhängigkeitserklärung für den Staat Israels verfasst; die bisherige hat recht wenig mit dem Judentum zu tun, also habe ich sie umgeschrieben und dabei den ursprünglichen Stil bewährt, damit die Korrekturen gleich auffallen. Zum Beispiel: Ben-Gurions Fassung fängt mit folgender Aussage an: "Im Lande Israels kam das jüdische Volk zustande [...]"; dies habe ich in der ersten Fassung (es gab mehrere) ersetzt durch: "Am Berg Sinai entstand das Volk Israel [...]". Die verbesserte Erklärung habe ich herumgeschickt; die Resonanz war i. d. R. positiv, manchmal wurde auch Kritik geäußert. Eine Antwort bewahre ich besonders gut auf, nämlich die von Rabbiner Uri Sherki, der in derselben politischen Bewegung mitwirkt und mir damals Folgendes geschrieben hat:

Meiner Meinung nach gilt die Aussage, dass das Volk Israel am Berg Sinai geboren wäre, als Ketzerei [doppelte Hervorhebung im Original], weil sie den nationalen Charakter Israels leugnet und unsere ganze Identität auf religiöser Grundlage aufbauen möchte [...] Es sei daran erinnert, dass Mose der ultra-orthodxen Versuchung widerstand, mit der Gott ihn prüfen wollte, als er ihm sagte, er würde Israel vernichten, weil es gegen die Sinai-Lehre verstieß; da erwiderte Mose [Schmot 32:13]: "Gedenke es Abraham, Jizhak und Israel [deinen Knechten, denen du bei dir geschworen hast...]" - das heißt, dass [das Volk] Israel zuallererst Nachkommen der Erzväter und erst nachher [=daraufhin] Jünger Moses sind.


Vor diesem Hintergrund erscheint die Übertrittsfrage recht schwierig. Im Gegensatz zum Christentum, das auf dem Glauben an die heilsgeschichtliche Rolle Jesu, d.h. auf einer Idee basiert, zu der man sich "einfach" bekennen kann, spielt im Judentum die Idee (verkörpert v. a. im jüdischen Recht) eine erst zweitrangige Rolle; sie unterliegt nämlich dem (angeblich) objektiven Umstand, dass man Jude ist (oder nicht). So dürfen sich Nichtjuden z. B. nicht an die Schabbes-Vorschriften halten; sonst sollten sie mit dem Tode bestraft werden. Übertrittskandidaten, die sich auf ihr neues Leben vorbereiten, müssen daher jeden Schabbes einen kleinen Verstoß gegen die Schabbes-Vorschriften begehen. Erst wenn man Jude wird, darf bzw. muss man sich an das jüdische Recht halten. Doch wie kann man eigentlich Jude werden, wenn es auf ein Glaubensbekenntnis ankommt, d.h. wenn die Sache von vornherein nicht universell gemeint ist?

Diese Frage beantwortet die lurianische Kabbalah mithilfe von Begriffen ("Funken" und "Schalen") aus dem eigenen System dieser Mystik. Sieht man davon ab, so bleibt die rechtsphilosophische Frage bestehen: Wie kann ein nichtjüdisch Geborener in eine fremde Blutlinie eintreten?

Im Judentum gibt es eigentlich keine Nachnamen; man (X) ist der Sohn (bzw. die Tochter) seines Vaters (Y) und seiner Mutter (Z), je nach der Situation: Wenn man bspw. in der Synagoge zum Lesen von der Thora aufgerufen wird, heißt man "X, der Sohn von Y". Wenn man aber - Gott behüte - krank wird und andere wollen Gott um seine Genesung bitten, heißt er "X, der Sohn von Z". Und warum habe ich es erwähnt? Weil Proselyten, die als Neugeborene nichts mehr mit den biologischen Eltern zu tun haben sollen, interessanterweise dem Erzvater Abraham und der Erzmutter Sarah zugeschrieben werden, was nun genauso für die Araber in ihrer Rolle als Ismaeliten sowie für die Christen in der Rolle Esaws gilt.

Mit anderen Worten: Proselyten werden - auch bzw. gerade nach dem erfolgreichen Übertritt - nicht dem Erzvater zugeschrieben, der am Ende des göttlichen Auswahlverfahrens steht: Jakob bzw. Israel. Der Bezug des Proselyten auf die Blutlinie Israels ist also eher problematisch, d.h. ein nichtjüdisch Geborener kann in diese Blutlinie nicht wirklich eintreten. Dies hat z. B. zur Folge, dass einem Priester (heb. Cohen) eine Proselytin verboten ist (d.h. er darf sie nicht heiraten oder begatten).

In diesem Zusammenhang wäre es wohl gut zu bemerken, dass im Judentum - im Gegensatz zur üblichen (aber falschen) Meinung - nicht die Mutter, sondern der Vater die Blutlinie bestimmt (vgl. etwa bei Leviten im Allgemeinen und bei Priestern im Besonderen). Nur bei Mischehen jeder Art wird der Vater ausgeschlossen und die Blutlinie nach der Mutter bestimmt. Und dennoch: Eine jüdisch Geborene, bei der die Mutter zwar Jüdin, der Vater aber keiner ist, ist einem Priester ebenfalls verboten.

Bei den Kindern des (bzw. der) Proselyten tritt diese Schwierigkeit übrigens nicht mehr auf. Das Kind X ist dann einfach der Sohn (bzw. die Tochter) des Vaters Y und der Mutter Z (der übergetretene Elternteil hat bei seiner Neugeburt einen neuen, hebräischen Namen bekommen).

a gut Woch,
Yoav

P.S. Woran lässt sich eine gute Bibelübersetzung am schnellsten erkennen? Eine Faustregel: Man schlägt die erste Seite auf und prüft, ob in Bereschis (1. Mose) 1:5 nicht "erster Tag" oder "Tag eins", wie in den christlichen Übersetzungen üblich, sondern "ein Tag" geschrieben steht. Der Grund für diese im hebräischen Original vorhandene Differenzierung ist, dass es bis zum zweiten Tag noch keine Reihenfolge und folglich auch noch kein erster Tag gab. Unter den deutsch-christlichen Übersetzungen ist die revidierte Elberfelder m. W. die einzige, die diese Prüfung besteht.

Montag, 23. Juli 2007

a Link farn 9. Aw

"So spricht der Herr der Heere: Das Fasten des vierten, das Fasten des fünften, das Fasten des siebten und das Fasten des zehnten Monats werden für das Haus Juda Tage des Jubels und der Freude und froher Feste sein. Darum liebt die Treue und den Frieden!" (Sach. 8:19)

Nach dem biblischen Jahreskreis, der mit dem Auszug aus Ägypten bzw. dem späteren Monat Nissan anfängt, ist Aw der fünfte Monat und das "Fasten des fünften" folglich der 9. Aw. In Israel gibt es immer mehr Juden, die sich avantgardistisch auf die freudige Zukunft dieses Tages vorbereiten: http://www.temple.org.il

Mittwoch, 28. Februar 2007

Von Judentum und Jiddischkeit

Liebe Leser,

machen wir es diesmal etwas interaktiver: Was ist für euch wichtiger bzw. soll eurer jeweiligen Meinung nach für Juden bzw. Jidn wichtiger sein - das Gebet oder das Essen?

Und vergesst nicht, eure Ansicht (nach Möglichkeit) jüdisch zu begründen!

Seid gesund und umso fröhlicher,
Euer Yoav


Nachtrag (08.03.2007):

Mit durchschnittlich 45 Besuchern pro Tag habe ich mehr als zwei Teilnehmer(innen) erwartet, was ich allerdings nicht hätte erwarten sollen - aber das ist ein anderes Thema. Jedenfalls bedanke ich mich bei Schoschana und Miriam für die interessante Diskussion!

Die "Lösung" lautet: Das Essen soll m. E. für wichtiger gehalten werden als das Gebet, weil das Essen auf ein Gebot in der Thora zurückgeführt werden kann, während dieselbe keine ausdrückliche Gebetspflicht enthält.

Die Erklärung: Allgemein gesagt, wird im jüdischen Recht zwischen zwei Gebots- bzw. Pflichtarten unterschieden: einerseits "mide'oreita" - von der Thora (auf Aramäisch: Oreita) -, andererseits "mid[e]'rabanan" - von den Rabbinern. Ein gutes Beispiel hierfür sind die Feste: Während bspw. Sukkot und Pessach als richtige Feste betrachtet werden, weil sie mide'oreita, also von der Thora sind, werden Purim und Channuka als "zweitklassige" Feste angesehen, an denen lockerere, also weniger strenge Halachot (Gesetze) gelten. In rechtlichen Schriften spricht man auch von "Takanot" (Ver-, Anordnungen; Verfügungen) als Bezeichnung für die Gesetze der späteren Rabbiner, um den Begriff "Mizvot" (ungefähr: Pflichten) den Ge- und Verboten der Thora vorzubehalten.

Diese Hierarchisierung können wir nun auch auf unsere Fragestellung anwenden. In Dwarim (5. Mose), Kapitel 8, Vers 10 steht geschrieben: "ואכלת ושבעת וברכת את־ד׳ אלקיך על־הארץ הטבה אשר נתן־לך". In der Regel wird es folgendermaßen verstanden und übersetzt: "Wenn du isst und satt wirst / nachdem du gegessen hast und satt geworden bist, sollst du Gott für das gute Land preisen/loben, das er dir gegeben hat." Aber sprachlich betrachtet sind hier die Verben "essen" sowie "satt werden" genau so konjugiert wie das Verb "preisen" und zwar in einer Form (2. Person Sg. männl. in biblischer Futur), die in der Thora immer den Imperativ bedeutet. Jedoch wird dieses "vergessene" Gebot - eigentlich zwei: zu essen und satt zu werden - nicht unter zu den 613 Grundge- und -verboten gezählt; wohl deswegen, weil man es als eine Selbstverständlichkeit betrachtete und daher als einen Konditionalsatz verstand. Jedoch könnte man dasselbe auch für Dwarim 6:5 behaupten: "ואהבת את ד׳ אלקיך בכל־לבבך ובכל־נפשך ובכל־מאדך" - "Und du sollst Gott lieben mit deinem ganzen Herzen und mit deiner ganzen Seele und mit deiner ganzen Kraft" (natürlich ebenfalls in der vorerwähnten Imperativform); so selbstverständlich es klingen mag, gilt es jedoch als eines der allerwichtigsten Gebote. Jedenfalls ist klar, dass es weder selbstverständlich ist noch jemals war, zu essen und satt zu werden. Demgegenüber steht in der Tora sche'bichtaw - der schriftlichen Thora - nicht geschrieben, dass Israel beten soll; dieses Verständnis wurde aus einem anderen Gebot interpretiert: Gott zu dienen (Dwarim 10:20). Darüber hinaus ist das Pflichtgebet, das wir heute in dem Siddur - Gebetsbuch - haben, im Grunde genommen erst durch die späteren Rabbiner als Verpflichtung ganz Israels verfügt, und zwar erst nach der Zerstörung des zweiten Tempels, als Ersatz der nunmehr unmöglich gewordenen Opferdarbringung, zu der uns die Thora ja ausführlich verpflichtet. Selbst den "Schma", das berühmteste Gebetsstück, mussten einst nur die Priester im Tempel aufsagen. Das sind, notabene, noch keine religionswissenschaftlichen, sondern schlichte Talmudkenntnisse.

Und zum (wohl einstweiligen) Schluss: Essen ist Jiddischkeit und Jiddischkeit ist der wichtigste Teil, ja die Grundlage des wahren Judentums (ein Wortspiel, das auf Jiddisch - mit gutem Grunde! - nicht geht). Dieses Land - Deutschland - braucht zuerst Jiddischkeit, aus der in Zukunft auch die höhere Schicht - die des rechtlichen Judentums - mit Gottes Hilfe noch entstehen wird.

Donnerstag, 15. Februar 2007

Rache ist wichtig

In der letztwöchigen Ausgabe der Jüdischen Allgemeinen (Nr. 6/07 vom 8. Februar) sind die kurzen Stellungnahmen von fünf Rabbinern in Deutschland zur Freilassung der ehemaligen RAF-Terroristen veröffentlicht (S. 15) und zwar unter dem zusammenfassenden Titel "Reue ist wichtig". Dort beziehen sich alle Rabbiner in ihren Antworten ausschließlich auf die Straftäter und in dieser Hinsicht ist die Frage nach deren Reue in der Tat wichtig. Aber ist das die einzige Hinsicht, die es in dieser Diskussion zu berücksichtigen gilt?

Die Bestrafung findet nicht gerade beim Täter und dessen Leiden, sondern vielmehr im Verhältnis der bestrafenden Gesellschaft zu dem von ihr Bestraften statt. Durch die Bestrafung setzt die Gesellschaft ihre moralischen Grenzen, erklärt ihre Werte und verteidigt ihre Vorstellung von Gerechtigkeit. Eine zu leichte Bestrafung ist nicht gerade deshalb abträglich, weil sie etwaige, künftige Täter nicht abscheut, sondern vor allem deshalb, weil sie die Moral der Gesellschaft schwächt und deren Rechtsgefühl unterminiert. Bei der Ausübung von Gerechtigkeit - nach welchem Verständnis davon auch immer - ist leider kein goldener Mittelweg möglich, denn die Gesellschaft wird dabei geprüft und dadurch entweder gestärkt oder geschwächt.

Aus diesem Grunde war z. B. der in juristischer Hinsicht nicht gerade annehmbarer Schauprozess gegen Adolf Eichmann so wichtig - also nicht deswegen, weil Eichmann am Ende eines unnatürlichen Todes starb, sondern weil Israel ihn mit dem Tode bestrafte und somit sein Rechtsgefühl durchsetzen konnte. Ein anderes, diesmal negatives Beispiel: Es wird behauptet, Arafat sei nicht einfach so todkrank geworden, sondern von israelischen Geheimagenten angesteckt worden. Was aber die Moral betrifft, ist diese Frage eigentlich belanglos: So oder so ist Arafat nicht öffentlich hingerichtet worden. Diese Prüfung (nebst vielen anderen dieser Art) hat Israel nicht bestanden, woraufhin seine Moralität unleugbar geringer und sein Rechtsgefühl schwächer geworden ist.

Gerechtigkeit muss bekanntermaßen gesehen, also erlebt werden. Sie muss öffentlich und ausreichend ausgeübt werden, nicht damit der Täter stirbt, sondern damit die Gesellschaft tötet; nicht damit der Täter leidet, sondern damit die Gesellschaft rächt. Nicht nur der Täter ist wichtig, sondern vor allem auch die Gesellschaft; nicht nur die ehrliche Reue, sondern vor allem auch die moralische Rache trägt zur Vervollkommnung der Welt bei.

Was nun die Freilassung der ehemaligen RAF-Terroristen anbelangt, so kann und will ich als Außenseiter keine Antwort auf diese Frage geben, zumal ich mich als Jude grundsätzlich von der Moral distanziere, die für dieses deutsche Thema relevant ist, nämlich von der christlich-abendländlischen Moral, welche die Rache sowieso ablehnt.

Nachtrag (17.02.2007): Obwohl dieser Eindruck wohl schon entstehen kann, wird hier notabene nicht behauptet, dass man die RAF-Terroristen damals hätte hinrichten sollen. Mit den obigen Beispielen wollte ich nämlich nur veranschaulichen, dass bei der jetzigen Diskussion über ihre Freilassung nicht nur der Zustand der Bestraften (Reue etc.), sondern vor allem auch die möglicherweise negativen Auswirkungen einer Freilassung auf die Moralität der bestrafenden Gesellschaft zu berücksichtigen sind.

Mittwoch, 24. Jänner 2007

Zwischen Pharao und Hitler: Eine Überlegung zum 27. Jänner

Im jüdischen Kalender lesen wir zurzeit die Wochenabschnitte zur Erlösung aus dem ägyptischen Exil, im europäischen Kalender kommt gleich der »Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus«, also der Tag der Befreiung der letzten Auschwitz-Häftlinge. Dieser Zusammenhang lädt uns zum Vergleich ein: Was dachten sich die Kinder Israels bei der Verfolgung, als die Ägypter sie versklavten und deren Söhne ermorden wollten? »Und sie schrien«, erzählt uns die Thorah und lässt vermuten, dass sie sich fragten, was sie denn getan hätten, weshalb sie jetzt so sehr bestraft werden müssten. Da könnte man auch heute fragen, worauf Gott damals noch wartete, warum er dieses Schicksal überhaupt zuließ. Diese Schwierigkeiten werden aber noch verstärkt, wenn wir erfahren, dass es gerade Gott war, der das Herz des Pharao verhärtete, der also über Pharao die Verfolgung seines eigenen Volkes verschlimmerte. Die ganze Katastrophe war mithin eine rein göttliche Produktion! Aber was wäre denn die Sünde des Volkes gewesen, die diese Katastrophe erklären könnte?

Heutzutage sagen viele Leute, dass es Begebenheiten gibt, die sich nicht erklären lassen. So eine soll etwa die Schoah sein. In der Tat können wir auch in der Thorah keine Sünde finden, wegen deren Gott die Kinder Israels bestraft hätte, geschweige denn eine so schlimme, um damit die Verfolgung in Ägypten erklären zu können. Trotzdem sind wir in der Lage, dieses Rätsel zu lösen. Dazu müssen wir mehrere Jahrhunderte, bis in die Zeit des ersten Erzvaters, Abrahams, zurückgehen. Im Wochenabschnitt »Lech Lecha« wird uns von Abrahams – der damals noch Awram hieß – erstem Bündnis mit Gott erzählt (Bereschit/Genesis 15), in dem Gott ihm u. a. versprach, dass seine Nachkommenschaft im Exil noch verfolgt und versklavt werden wird. Wichtig ist jetzt für uns nicht nur, dass jene frühere Katastrophe von Gott vorherbestimmt wurde, sondern vor allem auch, dass sie vom Initiator selbst auf keine Ursache zurückgeführt wird! Ganz im Gegenteil, denn Gott versprach ferner, dass die Opfer dieser Verfolgung später »mit großem Vermögen« ausziehen werden. Der Sinn der Katastrophe ist folglich nicht in deren Vergangenheit, sondern in deren (damaligen) Zukunft zu suchen; und tatsächlich lesen wir zurzeit, dass Gott den Pharao immer wieder dazu bringt, den Gräuel der Verfolgung weiterzuführen – aber nicht wegen einer Ursache, sondern zu einem Zweck, und zwar um sein Volk mit vielen Zeichen und Wundern aus Ägypten zu führen.

Mit diesem Musterbeispiel will uns die Thorah lehren, dass den Schlüssel zum Verständnis der Geschichte von einem jüdischen Gesichtspunkt aus nicht in der Vergangenheit, sondern vielmehr in der Zukunft der jeweiligen Begebenheit liegt. Warum hat es also die Schoah gegeben? Diese Frage teilt sich, wie wir nun wissen, in zwei: »Weshalb?« und »Wozu?«. Um die Ursachen bemüht sich noch immer die Geschichtswissenschaft, die schon sehr interessante Interpretationsversuche bieten kann; nach dem bzw. den Zwecken dieser jüngeren Katastrophe muss jedoch jeder von uns selbst suchen. Nicht wir, die wir ja noch keine richtige Perspektive haben, sondern erst die künftigen Generationen werden beurteilen können, welche der vielen Vermutungen in Anbetracht der geschichtlichen Entwicklungen sinnvoller erscheinen. Nichtsdestoweniger liegt es an uns, unsere Nachkommen mit Möglichkeiten auszustatten, die Worte des Propheten auf unsere Zeit anzuwenden (Jesaja 45, 7): »Ich erschaffe das Licht und mache das Dunkel, ich bewirke das Heil und erschaffe das Unheil. Ich bin der Herr, der das alles vollbringt!«

P.S. Wenn wir Hitler schon erwähnt haben: Gestern habe ich Dany Levis "Mein Führer" gesehen. Nein, der Film verstößt nicht gegen den guten Geschmack oder irgendeines "richtige" Geschichtsverständnis; dafür ist er einfach zu banal. Man muss sich schon mühen, um selten ein Lächeln zu erzwingen, denn in der Regel wird man von enttäuschender Langeweile überwältigt. Kurzum ist der Film nicht einmal eine Diksussion wert - schon aber die Gesellschaft, in der man mit dieser Überflüssigkeit so viel Aufmerksamkeit (und nicht zuletzt auch Geld!) verdienen kann. Tut euch selbst also einen Gefallen und spendet diese 6 Euro an die Bedürftigen.